Full text: Die Königliche Geschützgiesserei in den Jahren 1855 - 1905

itoctj kein rechtes Zutrauen zu den inländischen Erzen, verstand 
es auch noch nicht, eine stets gleiche Härte des Gusses zu 
erzeugen. 
Man ahnte damals nicht, welche Bedeutung noch nicht 
100 Jahre später vaterländisches Eisen bei der Herstellung von 
Rohren gewinnen sollte. 
1806—1850. 
Die Berliner Gießerei wurde 1806^ von den Franzosen 
zerstört. 1815 wurde die Arbeit in ihr wieder aufgenommen. 
In der Zwischenzeit waren in Gleiwitz von 1809—1815 
bronzene Rohre auf staatliche Rechnung gegossen worden. Doch 
auch hier mußte der Betrieb 1811/12 unterbrochen werden, da 
Napoleons Rüstungen gegen Rußland alle Kräfte des ihm 
zwangsweise verbündeten Preußen für diesen Zweck in Anspruch 
nahmen. In Berlin hörte der Betrieb der Gießerei 1838 
mit dem Tode des damaligen Gießercidirektors einstweilen 
gänzlich auf, da man keinen geeigneten Nachfolger fand. 
Auch in der Breslauer Gießerei wurde der Betrieb 
mit dem Einzug der Franzosen im Januar 1807 eingestellt. 
Er wurde erst 1830 durch den Gießmeister Klagemann 
wieder anfgenomnien. Dieser wurde 1847 zum Gießereidirektor 
ernannt und l 850 nach Berlin versetzt, um die dortige Gießerei 
neu einzurichten. 
1851—1855. 
Mit Zuhilfenahme von Maschinen und Geräten aus 
Breslau konnte in Berlin Ende Januar 1851 mit dem 
Betrieb wieder begonnen werden. Klagen: a n n hatte als 
Zivildirektor die Leitung der Anstalt, stellte die Arbeiter ein, 
und lieferte die fertigen Geschütze zu kontraktlich festgesetzten 
Preisen ab. 
Es wurden durchschnittlich 105 Rohre jährlich fertig 
gestellt, und zwar 6 pfd. und 12 pfd. Kanonenrohre, 7 pfd. 
Haubitzrohre und 50 pfd. Mörserrohre. *) 
Die fertigen Rohre wurden einer Militärdirektion vor 
gelegt, die anfänglich nur den Vorsitz in der Geschützrevisions- 
kommisfion führte. Allmählich stellte sich jedoch das Bedürfnis 
heraus, auch Einfluß auf den Gang der Fabrikation zu haben, 
da eine Untersuchung des fertigen Rohres nicht davor schützte, 
daß das Rohr nach kurzem Gebrauch infolge von Fehlern in 
der Zusammensetzung des Materials unbrauchbar wurde. 
Daher bestimmte der König nach eingehendem Bericht des 
Kriegsministerinms mit Kabinetsordre vom 8. 8. 1851 die 
Einsetzung einer auS einem Hanptmann und einem Premier- 
leutnant bestehenden M i l i t ä r d i r e k t i o n, der eine ein 
gehende Ueberwachnng des gesamten Herstellungsverfahrens 
*) Die Kanonenrohre entsprachen ungefähr dem 9 und \2 ein 
Kaliber, die r pfd. Haubitzen den js cm, der 50 pfd. Mörser dem 
20 cm Kaliber.
	        

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