Full text: Joh. Karl Ad. Murhard, (1781 - 1863), Staatsökonom und Wirtschaftspublizist aus der Frühzeit des deutschen Freihandels (Teil 2)

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troffen, in’ der Gegenwart aber nicht mehr geeignet sind, 
in jener Form zum Zuge gebracht zu werden, weil sich seit 
jenen Tagen neue Probleme und Forderungen eingestellt 
haben. Ein lehrreiches Beispiel für diesen Vorgang bieten 
die Anschauungen eines Denkers wie Montesquieu. Zum ande= 
ren will sich der Autor angelegen sein lassen, was Staats 
rechtler und Politiker heutigentags ebenso wie den ein= 
fachen Mann von der Straße bewegt. Murhard nennt als sol= 
ches Teilziel seiner Arbeit das Problem des Konstitutina= 
lismus oder Fragen nach der allgemeinen Glückseligkeit, 
nach Wohlfahrt und Rechtssicherheit, deren Wesen ebensol= 
che Aufmerksamkeit verlangen wie etwa das Verhältnis von 
Kirche und Staat, um nur einiges aus dieser Gesamtproble= 
matik zu nennen. 
Murhard beginnt seine Untersuchung mit einer Überprüfung 
der Nützlichkeit und Notwendigkeit einer richtigen Bestim 
Zw.S+. 358 mung des Staatszweckes ( I 
Die Uneinheitlichkeit der Vorstellungen über den Zweck 
des Staates kann nicht ohne Rückwirkung auf die Praxis 
bleiben. Deshalb muß endlich Einigkeit über den Staats= 
zweck erreicht werden.‘ So’ nur ist: es’ erklärbar, daß in 
vielen Staaten, obschon sie für das Zeitgemäße aufgeschlo 
sen sind, doch in der Praxis veraltete Einrichtungen habe 
ja: sogar. als. neu und“ angemessen Institutionen einführen, 
die völlig überholt sind. Solches wäre nicht möglich ge= 
Wesen, hätten die Regierer wenigstens die ürundmaxime 
sich zu eigen gemacht, daß der Staat lediglich um der 
Menschen willen existiere. Und so. ließen sich ähnliche 
Mängel aufzeigen, die auf die Divergeanz der Meinungen 
über den Staatszweck zurückzuführen sind. Aber nicht nur 
m die derzeitige Definition des Staatszwecks vermehrt 
diese Uneinheitlichkeit; auch wichtige Teilziele leiden 
unter der gleichen Unklarheit; ja manche sind überhaupt 
noch nicht auf ihr Wesen untersucht worden. Aus der jetzi: 
gen Praxis den Zweck des Staates zu abstrahieren, würde 
Zu. St 7 heißen, "das Pferd von hinten aufzäumen" ( )+ 
Rotteck weist darauf hin, daß eine falsche Erklärung des 
Staatszweckes alle dort verankerten Auffassungen in schie: 
fe Beziehungen zum wahren Staatszweck und untereinander 
bringen muß.
	        

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