Full text: Joh. Karl Ad. Murhard, (1781 - 1863), Staatsökonom und Wirtschaftspublizist aus der Frühzeit des deutschen Freihandels (Teil 2)

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Murhard ist und oleibt treuer Anhänger des vernunftrecht= 
lichen Denkens, der alles vermeidet, was seiner Meinung 
nach die Irkenntnis des Richtigen - und Wahren beeinträchs= 
tigt, such wenn es sich um aktuelle Gegenwartsfrsgen hans 
delt, zz ist bekannt, welche ungeshnte ‘Wirkung vom 
Staatslexikon ausgegangen ist, in den deubfßschen Kiein= 
staaten bis hinauf zu den Großmächten. Und wenn diese 
Großmächte schließlich die Gesamtentwicklung vorwärts 
getrieben haben, so wäre das alles derart! nicht möglich 
gewesen, wenn nicht gerade in den‘ Kleinstaaten, d.h. in 
Süddeutschland und im Westen, eine echte politische 
Schulung ihr werk getan hätte, 
Jedermang kennt damals das "Staatslexikon", besitzt es 
und liest darin. Murhard bleibt das Verdienst, daS er 
grundsätzlich auf dem Gebiet des Landesstaatsrechts den 
richtigen Weg eingeschlagen und daß er als einer der 
ersten nach der Julirevolution, wenn nicht überhaupt als 
erster, einen solchen kommentar herausgegeben hat. 
In den Einleitungen des Lexikons wird kliovp und klar zum 
Ausdruck gebracht, daß hier ein Sammelpunkt für alle 
fortschrittlichen Bürger geschaffen ‚ und von dem aus ein 
gemeinsame Front entwickelt werden soll gegen eine Form 
von Reaktion; daß ferner ein Nachschlagewerk geplant 
wird, aus dem der Interessierte, ganz gleich welchen 
Herkommens, Belehrung gewinnen kann für diesen Kampf. 
/ Mit anderen Worten: es handelt sich um eine politische 
Unterweisung, die gegebenenfalls als Waffe dienen kann 
gegen die Rückschrittler. Diese popularisierende Tendenz 
tritt in Erscheinung in der Gemeinverständlichkeit der 
Diktion, auf die immer wieder. verwiesen wird als ein 
wichtiges Hilfsmittel für die politische Schulung weiter 
Schichten. 
Bricht im "Staatslexikon" häufig bei Rotteck ein gewisser 
Radikalismus durch, so ist das %och häufiger bei Murhard 
der Fall, der mehr als in einer Frage weit radikaler 
denkt als sein verehrtes Vorbild Rotteck. Dabei bezeich= 
nen sich beide als rechtmässige Anhänger einer konstitu= 
fionellen Staatsdoktrin. Diese Zusammengehörigkeit beide 
Publizisten ist niedergelegt in zahlreichen Bekenntnisse: 
Wir werden anhand einiger wichtiger Beiträge den Leser
	        

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