Full text: Joh. Karl Ad. Murhard, (1781 - 1863), Staatsökonom und Wirtschaftspublizist aus der Frühzeit des deutschen Freihandels (Teil 2)

) / 
Veto reservieren (>=). 
In einem geschlossenen Abschnitt untersucht nun Murhard, 
Was seiner klaren deutschen Entscheidung entgegensteht. 
Den deutschen Staabsrechtlern macht er den Vorwurf, daß 
sie in dieser Frage zu wenig Fleiß und Aufmerksamkeit 
an den Tag gelegt hätsen. In der Fraxisi zeige sich. diese: 
Mangel in oft entgegengesetzten Meinungen, die Unklar= 
heitdie Fülle zuließen. Wenn man wieder und wieder auf 
England weise, so vergesse man „oder wisse ‚nicht, daß die 
Veto-Frage, vor Jahrhunderten formuliert, in England 
gar keine Bedeutung mehr habe (—>——,), In,Englandıhabe 
man längst erkannt, daß die Frage der Gesetzesinitiative 
SH. 1, 428 viel wichtiger sei als die des Vetos ( ). Würde der 
englische Monarch - es ist kaum möglich, anzunehmen -— 
von seinem Veto-Gebrauch mache, so wären immer noch als 
integrierender Faktor die Exekutive da, die zusammen mit 
dem Parlament jede Wirkung des königlächen Vetos illu= 
sorisch machen. 
Viel wichtiger ist nach Murhard die Teilfrage, ob ein 
Veto, gleich welcher Art, so funktionieren dürfe, daß 
Entlassung eines Gesamtministeriums ohne Angabe von 
Gründen durchgeführt werde. Als Muster schildert Murhard 
das nordamerikanische Verfahren, das dem -räsidenten zu 
dieser Anflage verpflichtet, "Wer ein gutes Gewissen 
hat, der braucht die Gründe nicht zu verhehlen, dis ihn 
zu einer Handlung bewegen. Immer kann ein Regent in der 
Öffentlichen Meinung nur gewinnen, wenn er offen, auf= 
richtig und ohne Rückhalt zu Werke geht. Der Geist einer 
konstitutionellen Staatsform verschmäht jede Geheimnis= 
SH ,315 krämerei? ( ) Die Monarchisten bringen für solche 
Fragen keinerlei Verständnis auf. Diese "Pseudo-Konstitu:- 
tionellan" fragt deshalb Murhard sehr ernsthaft,.ob es 
nicht besser sei, wenn der monarchische Staatsregent 
sich dazu bequemte, mit der Rol&e eines republikanischen- 
parlamentarischen vorlieb zu nehmen "In der Realität 
würde er an Ansehen nichts wwxi%kwxrzE© dadurch verlieren, 
an wahrhafter Achtung, Liebe und Anhänglichkeit von 
Seiten der Staatsbürger in einem Zeitalter der Kultur 
vu Mohl,a.@.0. nur gewinnen können" ( ee 
Zusammenfassend kommt Murhard zu dem Schluß, daß die
	        

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