Full text: Joh. Karl Ad. Murhard, (1781 - 1863), Staatsökonom und Wirtschaftspublizist aus der Frühzeit des deutschen Freihandels (Teil 2)

nicht allzu häufig. Bine. wohlgeordnete Verfassung. wird 
dazu beitragen, die Wahrheit. jedem Regierten. zu vermitteln 
Eher könne es geschehen, daß die parlamentarischen Volks= 
vertreter (oder auch nur eine kleine Gruppe, die von der 
Moderne nichts wissen will), die in den Sesitz eines wo= 
möglich gar absoluten Vetorechts gelangt sind, dem Regier= 
ten geschlossen gegenüberstehen und auf diesem Umweg ohne 
Achtung der liberalen Konstitution ihre dunklen Machen= 
schaften betreiben. Das Ende solcher Entwicklung würde. ‘ 
wiederum Despotismus sein und ein "aristokratischegf Des= 
R. potismus wäre für ein Volk tausendmal unerträglicher als 
Veto} Yu de Despotismus eines Einzigen" ( ). Übrigens geht der 
Riß der Auffassungen auch durch die gesamte staatsrecht= 
lich-politische Fehde in Frankreich sehr viel trennender 
als in Deutschland. Sicherlich lieg# Schon in der Wurzel 
die erkennbaren Verschiedenarten des Verhältnisses der 
Franzosen zu den Deutschen, Im Frankreich wachsen, wie 
wir sehen werden, die allgemeinen politischen Vorstellunge 
ausgehend von der Charte, fast ausschließlich auf dem 
Konstitutionalismus. Es fehlt an den radikalen Konsequen= 
zen, die merkwürdigerweise nur einige französische Poli= 
tiker propagieren. Murhard ist in allen diesen Fragen 
sehr viel bestimmter und radikaler als die Franzosen. So 
schreibt Murhard: "Ich glaubeg daß in keinem wohlgeord= 
netten Staate, wo die Öffentliche Freiheit gesichert sein 
soll, irgend eine Autorität vorhanden sein muß, welcher 
grundgesetzlich eine Machtübung ohne alle Zinschränkung 
und Dedingung zusteht. In der konstitutionellen Monarchie 
müssen Regent und Volksrepräsentation das Recht haben, 
R. gegenseitig bei der Gesetzgebung ein Veto geltend zu 
Vetro\53 machen" ( Ye 
Muß aus zwingenden Gründen dem Fürsten ein absolutes Veto 
zugesprochen werden, dann muß es zeitlich eng begrenzt 
sein. 
Gleich in den Eingangssätzen spricht Murhard eine durch= 
aus alltägliche Kennzeichnung aus: "Die Staatswissenschaft 
ist eine Erfahrungswissenschaft, Theorien, vom Verstande 
ersonnen, und diese Früchte der Spekulation und Abstraktic 
können hier bei ihrer Anwendung auf die Wirklichkeit„ nur 
zur Verirrung führen" (=)
	        

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