Full text: Joh. Karl Ad. Murhard, (1781 - 1863), Staatsökonom und Wirtschaftspublizist aus der Frühzeit des deutschen Freihandels (Teil 2)

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gesellschaft nicht wie Montesquieug oüer der als Radikaler 
verschriebene notteck das von jenem konstituierte Reprä- 
gentativsysten, das bei aller Änerkennun © der Volkssouves 
rTanibät doch noch mit. vielsn staändischen Zlementen durch= 
setzt 185. Vox zllem lehnt. Murhard; die üblichen ‚zwei Kam- 
mern ab. Murnurd kennt nur das Ein-Kaumer-System. Und das 
schon in den zwanziser vahren! Aus dem Geänken der Volkss= 
Souveränität entwickelt er dann das reine Repräsentativ= 
system. Seine Träger aber sind echte Deyutierte und keine 
Vertreter stäncischer Gruppen. Immer _ in Logischer Deduk= 
tion verlangt Murüard ein allgemeines Wahlrecht. Das Wahl. 
recht aber —- und hier steht Murhard nachweislich. allein 
im Kreise der damaligen Staatstheoretiker - darf gemäß’ 
einer rechtversvandenen Volkssouveränität niemals an Be= 
dingungen, an einen Zensus gebunden sein. Was hier Murherd 
anstrebt, ist das parlamentarische Reziermnrssystem. Es 
ist als Leistung anzusprechen, daß Murhsard von diesem Pars 
1smentarismus Vorstellungen hat, die in ihrer Präzision 
damals nirgendwo anzutreffen sind (vgl, das 102.Kapitel 
"Englandbild" usw.) Man nat bei Giesen Vorstellungen Murs= 
hards sehr oft den Zindruck, daß ihm der Konstitutionalis- 
mus deshalb nicht völli: zusagt, weil. in ihm, besonders 
durch die Berufung der Minister durch den Fürsten, der 
uneingeschränkten Volkssouveränität wesentliche wege. zum 
entscheidenden Handeln verschlossen. bleiben, insbesondere 
das Ministeramt. Ja, es finden sich Bemerkungen, in denen 
er als letzte Konsequenz da Republik nennt. Und noch 
ein Beispiel für Murharäds Denken jener Jahre: die Depu= 
tiertenkammer enthält die volle Legislative zugesorochen, 
während man in der Mehrzahl liberaler Gedankengänge sich 
damals begnügt mit den Anfängen einer Teilnahme am Budget= 
recht und zufrieden ist mit der Gesetzespetition. Noch 
hält Murhard als Anhänger Montesduieus am absoluten Veto= 
recht des Fürsten fest; aber kaum gibt es unter den dama= 
ligen Frühliberalen einen adelsfeindlicheren Politiker 
als Murhard. Eier spricht allerdings das Göttinger Erbe 
eines Schüözer und andere mit, und sicherlich fließt aus 
Göttinger Quelle und der dortigen Schätzung eines Adam 
Smith die Forderung völliger Handels- und Zollfreiheit,. 
Wie dem auch sei; Murharäds Stellung im Altliberalmismus 
wird auf solche Weise schon früh gekennzeichnet und ‚abge= 
setzt von den üblichen Anschauungen seiner Gesinnungsge=
	        

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