Full text: Joh. Karl Ad. Murhard, (1781 - 1863), Staatsökonom und Wirtschaftspublizist aus der Frühzeit des deutschen Freihandels (Teil 2)

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und sein geistiges rofilubei weitem nicht. so schnell 
gestalten, weil. in ihm noch viele Vorstellungen des 
aufgeklärten Absolutismus lebendig bleiben. Der Dolitis 
sche Liberalismus kommt in üieser Frühzeit kaum über 
Ansätze bei einzelnen Persönlichkeiten ainaus. Ein 
gleiches zilt für das Veiständnis weltpolitischer, mins 
destens aujßenvdolitcischer Probleme. Der großartige Vor= 
gangiderisich volluentwickelnden westeuropäischensli= 
vilisation wird in Mitteleuropa von ganz wenigen Persön: 
lichkeiten dankbar erkannt, ebenso wenig die liberalen 
Grundkomponente: Bewegungsfreiheit im Denken und Han= 
deln. Damit zeigt der, frühes:Liberglismus sein Janusge= 
sicht: einmal rückwärts schauend und das Veraltebte aus= 
merzend, und zum anderen den Blick nach vorwärts gerich: 
tet, wieldasineueZiel erreicht werdenikann. Beide:Ten- 
denzen aber schaffen jene Kampfatmosphäre gegen absolu= 
tistische Maximen und radikale Neuschöpfungen, wie sie 
die Geschichte des Gesamtliberalismus umwittert. Gemäß= 
Sigte, durchschnittlichelund, radikale Vertreber stehen 
nebeneinander, besonders dort, wo eine analytische Er= 
hellung der jeweiligen Situation zu wünschen übrig 1ä8ßt 
ja selbst die gleiche Lage und Verhaltungsweise mit 
verschiedenen Bezeichnungen und Deutungen versehen wird 
Stärkste Verwirrung ist die Folge; meist fällt man damn 
ins vertraute Hinterland des Rationalismus zurück, 
Die europäischen Westmächte müssen. schwere Krisen däurch: 
stehen, bei denen es um uiie Fortexistenz des englischen 
Farlamentarismus, in Frankreich um die des monarchische 
Systems geht. Die kontinentalen Großmächte suchen nach 
einer Verstärkung ihrer Mächtmittel, voran Preußen und 
Österreich, die dadurch zu politisch-militärischen Ri= 
valen werden. Und schließlich tritt eine üritte Macht 
in dieses Gefüge: die US von Nordamerika .y Dieses Ereig 
nis gibt den liberalen Strömungen einen ungealnten Auf= 
trieb. Hier ist ein Staat entstanden, der die Realisies 
rung der modernen Ideen am wirkenden Beispiel vorführt,. 
Auf's Ganze gesehen bedeutet diese Zreignisfülle das 
Ende des ancien regime. Die französische Revolution ist 
der erste, scheinbar siegreiche Aöhepunkt des Libera$s 
lismus; in Wirklichkeit er1ediet er seine erste Wieder= 
lage,
	        

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