Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

dienst zurückgekehrt ist, aumaeäann.-, edakbeur- des "Monde 
Geur=westhalien" mit Wirkung vom Jahresbeginn 1808. 
Der eigentliche Zweck dieses gesteuerten Pressewesens in 
den Kheinbundstaaten ist aber doch ein volitischer. Die 
großartige propagandistische Leistung Napoleons wird 
alızu leicht übersehen, obschon einem Metternich das 
Wort zugeschrieben wird, daß seine Pressevolitik dem Kai= 
ser eine Armee von 500 COO Mann ’ersetzt habe. Vorbeugen 
und Führen sind die Aufgaben, die Napoleon der Presse 
setzt. Gewiß bedeutet das letztlich eine Aufhebung der 
Pressefreiheit; aber jederzeit hat Napoleon eine Zensur 
abgelehnt. Zr will Redakteure heranbilden, die aus Über= 
zeugung seine Mitarbeiter werden. So geht er ihnen in 
der Arbeit an die land, indem er mit dem Pariser "Moni= 
teur* ein Nachrichtenbüro schafft, das auch die kleinste 
AKedakteurstube beliefern kann. Noch wirksamer aber wird 
die von dort empfohlene Methode der inhaltlichen Auswer= 
tung. Das Muster dieser neuen Art der napoleonischen 
Publizistik ist das täglich erscheinende Bulletin. Mit 
seiner Hilfe werden fortgesetzt die Pläne, Leistungen 
und Intentionen in einem gleichsam täglichen Gespräch 
zwischen Regierung und Untertan: erörtert. Der hohe Rang, 
den man in. Frankreich der Diskussion zuspricht, c6ritt 
hier in Erscheinung. Der Leser, der Bürger wird:politis 
siert, während man in Deutschland stumm bleibt, allen= 
falls einen. Widerhall solcher Aussprachen hören 1äßt. 
Was auf solche Weise, wenn auch zunächst ganz langsam, 
dies französische Pressewesen zur Vergrößerung des Wir= 
kungsbereichs des deutschen Pressewesens beigetragen hat, 
sollte nicht übersehen werden. 
Unter den Aufgaben, die sich Murhard als Äauptredakteur 
für sein Blatt stellt, das mit zeitweilig 1,5 Tausend 
Exemplaren zum meist gelesenen des Königreichs Wird, 
nenmen die Analysen des westphälischen Verfassungswerkes 
die wichtigste Position ein. Das Blatt, das meist vier= 
seitig in Großfolio-Format und zweisprachig herauskommt, 
entwickelt dann bald auch noch eine Supplementsbeilage 
der oben charakterisierten Art. Es ist selbstverständlich 
daß er bei solchem Arbeitseinsatz sich seinen sonstigen 
Verwaltungsarbeiten nicht mit gleicher Intensität widmen 
kann und daß seine Mitarbeit an anderen deutschen Blätter‘
	        

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