Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

ein Zwischending zwischen Absolutismus und Republikanismus 
Anders liegen die Verhältnisse bei den Großstaaten, die 
aus dieser napoleonischen Gedankenwelt bedeutsame Anstösse 
erhalten. Hier fliessen, zunächst noch im Verborgenem, ein 
neuer Nationalismus und die Bestrebungen, die eine einheit 
liche Gesamtnation ansteuern. Napoleons Rheinbundpolitik 
hat mindestens dreimal angesetzt, dieses Ziel zu erreichen 
"Zum ersten Mal bei der Gründung des Rheinbundes; zum ande= 
ren Male mit den Verhandlungen in Mailand. Ende 1807, die 
besonders Bayern und mittelbar Württemberg für den Plan 
erwärmen sollen. Im Oktober 1808 versucht es der Kaiser au 
dem Erfurter Fürstentag zum letzten Mal. Es war zugleich 
“der letzte Versuch Napoleons, der wiederum wie schon frühe: 
vor allem von Dahlberg vorwärts getrieben wird. Dahlberg, 
der sich damals auf viel Zustimmung unter den Gebildeten 
stützen kann und den vor allem die Gelehrten immer wieder 
ermuntern zur Verwirklichung seines Gedankens eines natio= 
nalen Einigungswerkes mit den Hilfen, die Napoleon anzu= 
bieten hat. Jedoch gelingt es dem Kaiser nicht, den Wider= 
stand vor allem Bayerns und Württembergs zu überwinden, 
trotz der geistigen Hilfen eines Mannes wie des FürstypDima: 
Dahlberg. Aber immer wieder tauchen derartige Gedanken in 
den Briefen des Kaisers auf, die er im Zusammenhang mit 
der Gründung des Königreichs Westphalen an den jüngeren 
Bruder schreibt. Dezxhalb soll Westphalen ein Musterstaat 
werden, ein Vorbild für den Staat der Zukunft. Die Grund= 
lagen hat Napoleon gelegt, wie wir noch in dx Einzelheiter 
zeigen werden. Es sind vielfach die Besten der Gesamtnatio: 
die der Absicht des Kaisers zustimmen und bereitwilligst 
ihre Kräfte in den Dienst dieses zukunftweisenden Unterneh: 
mens stellen. Das gilt für den dnfachen Mann, mehr noch 
für das erwach£ende Bürgertum; ja selbst die Großstaaten 
schauen mit Besorgnis auf das Neue, das hier zum Ereignis 
werden will, und wäre es nur die Furcht vor einem Nachbarn, 
der raummäßig und als Militärmacht zu einer ständigen Be= 
drohung wird. Kein Wunder, daß sich im Hinblick auf das 
Positive dieser Intentionen von allen Seiten Persönlich= 
keiten einstellen, die im neuen Staate Westphalen Dienst 
nehmen, Daß sich unter ihnen auch Erscheinungen zwielichti-= 
ger Art befinden, sei nur der Vollständigkeit wegen erwähnt 
Kleinschmidt, der Historiker des Königreichs, führt seiten-
	        
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