Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

Schrift. "Vom. ewigen Frisden", Sie muß vorzeitig.abgebrochen 
iv. Selle k.Walz ‚23.Kap.D werden ( X. Murhard, 1äSßt ‚sich gleichwohl nicht entmuti= 
Sen und tritt fürzdie Kantschen:Ideen ein (>). Wohl in 
keinem Werk kommt die Ldeenwelt Kants derart zu sublimiertem 
Ausdruck wie im "Ewisen Frieden"fi Und:gerade dieser Schrift 
gehört Murharäs besondere Untersuchung. 
Wir können nicht nachskizzieren, wie Kant ‚über Apriorismus 
und Kategorienlehre "seinen der intelligibelen, d.h. nicht 
der Sinnlichkeit angehörenden Freiheitsbegriff entwickelt. 
Mit ihm ersetzt er einen flagchen Empirismus durch eine 
idealistische Ethik und begründet damit üiehetaphysischen 
Wahrheiten von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit, Kant hat 
zwar keine geschlossene politische und Gesellschaftslehre 
hinterlassen. Murhard erkennt die Denkgemeinschaft, die ihn 
mit Kant verbindet, indem auch Kant ein modernes sozi0olo= 
gisch-politisches Einorädnunzgsbedürfnis anerkennt. Das z ri- 
gorose ethische Gesetz verhilft zur Überwindung eines nur 
funktionalen Rationalismus. Kein Rechtsfanatismus, wie die 
Lehren der französischen Kevolution, kann Secht schaffen, 
Recht aber sorgt für Legalität im Staate und ist die Ab= 
az wehr von Willkür; es stimmt den einen gegen den anderen 
ab, auf daß das Prinzip der Freiheit verwirklicht werde, 
samt Gleichheit und Selbständigkeit. Solche zZinrichtung 
bietet ädie moderne Staatsrechtswissenschaft. Nirgends sind 
ihre Forderungen so reibungslos verwirklicht wie in der 
Republik mit ungeschmälerter Gewaltentrennung. Zur Vollen= 
äung einer solchen Herrschaftsform gehört die Repvpräsenta= 
tion mit ihrer obersten Prärogative, der Gesetzgebung. Wie 
der Einzelstaat derart strukturiert ist, so müssen sich 
auch die Völker untereinander einrichten. Dann bricht der 
"Bwige Frieden" an; in ihm ist der Antagonismus zwischen 
Fürstenmacht und Bürgerfreiheit abgeschlossen: eine welt= 
historische Paradoxie, weil seine Realisierung nur durch 
dauernden Kampf erlangt werden kann. 
Es spricht für Murhards Denkschärfe und Selbständigkeit, 
daß er mehrfach auf Widersprüche kants verweist, durchaus 
nicht die dilatorische Behandlung praktischer politischer 
Fragen gutheißt, die ethische Untergründung im Prinzip 
anerkennt, in Kinzelheiten manchmal übertrieben findet. 
Murhard hält es für unvertretbar, daß Kant in jedem Falle
	        

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