Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

Nation zu errichten, wie sie der AOnig 1779 niederzeiegt 
hat in seinen "Letvres sur 1L’amour de 1s& paGrie", in’ denen 
er dem in aller Munde geführten "int&rät overscnel” ein 
"bien general” gegenübersbellt, d.h. der Hinzelne 1sS6 gE= 
gichert, wenn es dem Ganzen gut geht. Der Schüler Rousseau 
kann mit solchen Forderungen nichts anfangen. Friedrich 
bleibt für Murhard der rationalistische Reformer nach den 
Postulaten des "Antimachiavell". Der Sieger im 7 jährigen 
Krieg, der Schöpfer einer neuen Staatsgesinnung kann dem 
werdenden Politiker Murhard nur wenig Hilfen bieten. 
Umso mehr gewinnt Murhard ams dem Studium der pokitischen 
Welt des anderen bedeutenden fürstlichen Reformers, äurch 
den Habsburger Joseph II. Man hat gesagt: Friedrich kommt 
zu epät, Joseph zu früh; und So umwittert beider Denken 
und Tun eine echte Tragik. Trägt die Verbindung zu Fried= 
rich vielfach landläufigen Charakter, so die zu Joseph 
blutvolle Verehrung.Murhard nimmt schon frühzeitig und 
bewußt Vorstellungen des Josephinismus in seine Gedanken= 
als Schüler Spitlers welt auf ( ). Er beschreitet damit‘ den Weg, der in 
Aa St vielem gradlinig ins 19.Jahrhundert führt. Seiner Fähig= 
keit zu richtiger politischer Prognose: sind sie von hohem 
Jert. Echt aufklärerisch und dadurch Murhard grundsätzlich 
interessierend entzündet sich die Bewegung am Verhältnis 
Staat ung Sirche. Schon der Kanzler seiner Mutter Maria 
Iheresia der Graf Kaunitz, ergreift- Maßnahmen, die im 
späteren Schrifttum Murhards häufig als Muster für den 
Staatsrechtler und praktischen Politiker angeboten werden. 
Das Toleranzedikt Josephs setzt diese reformlierenden Maß= 
nahmen wesensmäßig EM fort mit der Pressefreiheit, mit 
der Bauernbefreiung, mit einer Neuoränung des wirtschaft= 
lichen Lebens. Daß hier physdokra:ische Go 1kengaänge,, 
die der begabte Habsburger als einer der wenigen Souveräne 
in Deutschalnd zu realisieren sucht, deutliche nachwirken, 
zeigt Murhards Vorliebe für diese Ideen, aus denen Murhard 
Hilfe erwartetifür seine Forderung des Abbaus absolutisti= 
scher Prärogative wie auch gegen ein Wiederaufleben stän= 
discher Verwaltungsformen. Diese Hinneigung zum Josephi= 
nismus blüht erneut in Murhard auf, als er seinen Wir=s 
kungskreis in Süddeutschland findet, jene Region, in der 
Menschen wie Rotteck in Joseph II. das große Erlebnis ge=
	        

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