Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

{4 
Aufteilung in monarchischen, aristokratischen und demokra- 
tischen Institutionen mitmacht, mExXkE aber auf die schwereı 
Belastungen verweist, die eine solche schematische Glie= 
derung in der Gegenwart für alle DSetroffenen mit sich 
bringt. 
Wie in Deutschland. zu, allen Zeiten über! Staat und Macht, 
Politik und Herrschaftsformen mit.allen Mitteln nachge= 
dacht wurde und doch alle diese Überlegungen zu nur unbe= 
friedigenden; Ergebnissen. geführt. haben, so-istes!den 
Deutschen stets unsagbar schwer gefallen, intuitiv in 
die Trieb- und Willenskräfte eines fremden Volkes einzu= 
dringen; logische Argumentationen ist des Deutschen 
Wirkfeld und nicht der Bereich der praktischen Politik, 
Leider fehlt eben in Deutschland der Staat; und so ver= 
sucht man verstandesmäßig zu erkennen in diesen früh= 
liberalen Jahren, was später in Verfassungen formuliert 
Wird. 
Aus dieser Einstellung unternimmt Murhard gegen das 
Ende des zweiten Jahrzehnts des neuen Jahrhunderts seine 
Englandreise.(erst 18536 folgt als nächster deutscher 
Politiker Th.Welcker) (>=). Seine "Annalen", das be= 
deutste Blatt vor Zrscheinen des Staatslexikons, werden 
zunächst die Tribüne, auf der Murhard seine Urteile und 
Forderungen dem deutschen Leserpublikum vorführt. Benjamir 
Constant, der keinen Unterschied zwischen der so gearteter 
Monarchie und Republik gelten 1äßt, liest Murhards "An= 
nalen", und wenn der Franzose schließlich den reinen 
Parlamentarismus anstrebt, so gehen die Murhardschen 
Erkenntnisse englischer Verhältnisse auf diesen verschlun- 
genen Wegen hinüber nach Frankreich, wie anderes Gedanken-= 
gut damaliger Zeit den umgekehrten Weg nimmt. Rotteck 
aber preist- diese: 4eiten als die ersten Strahlen der 
Sonne des WrrKEuxg Vernunftrechts (>=). Am Beispiel 
England gibt Murhard bedeutsame Einblicke in seine 
eigenen geschichtlichen Konzeptionen. 
England hält sein undeklichen Zeiten an der Atmosphäre 
des demokratischen politischen Lebens fest, während diese 
Tendenzen in Deutschland durch demokratische und monar= 
chische Tendenzen verdeckt und schließlich ausgelöscht 
wurden. Leider wird auch England mehr und mehr durch eine
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.