Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

fahrungswissenschaft, in der alles "vom Erfassen der Ge= 
genwart" abhängt (Pol.Ann. 9/4 und 11/273) , durchgehend 
aber fs die Gewinnung allgemeiner Grundsätze für die 
Politik aus der Geschichte ab, gaz besonders naturgemäß 
in den Formen der "historischen Schule" (Pol.Ann. 10/348 
und besonders 4/266), und’ "jede Politik, die nicht auf 
Moral gegründet ist, ist nichts anderes, als eine Wissen= 
schaft der Lüge und des Petrugs" (Pol.Ann.11/112). Aus 
diesen Gründen ist eine Umbildung der Diplomatie durchaus 
notwendig, sowohl was ihre Maximen angeht, als auch in 
der Auswahl ihrer Vertreter. Nicht in die Ideen der Feudal= 
kaste verrannte Leute soll man auswählen, die in den Völ= 
kern nur Empörer, und in freimütigen Schriftstellern Jaco= 
biner sehen, die niemals, außer schöner Töchter wegen 
sich unter die Bürger mischen, und die vom tatsächlichen 
Zustand der Dünge keine Ahnung haben und die Feststellung 
der Wahrheit durch Knebelung der Presse hintertreiben 
(Fol.Ann. 8 "die Diplomaten” 3,71 ff.), sondern Männer, die 
frei und unbefangen charakterstark und fähig, den Augen= 
blick richtig zu werten, daheim und draußen als Träger 
höchster Intelligenz die Interessen des Staates wahrnehmen. 
In Göttinger Universitätser@nnerungen schlägt er die Er= 
richtung besonderer Diplomatenschulen vor. Nicht Intrigen 
sind der Zweck echter Diplomatie und Politik, sondern 
Ordnung und Friede (Pol.Ann. 4/150). Denn es besteht "eine 
allgemeine Moral, welche ihren Sitz in dem Gewissen der 
Menschen hat; ihr sind demnach durch dieselben Gesetze 
die einzelnen wie die Staaten unterworfen" (Pol.Ann.11/110). 
Im Leben der Völker und Staaten hat keine menschliche Lei= 
ädenschaft verheerender gewirkt als Gewalt. Sie war "seit 
jeher das Thema der ganzen Welt- und Völkergeschichte" 
(Pol.Ann. 3/119). Gewalt hat die Reiche Alexanders AGD. 
der Römer, der Cäsaren, Karls d.Gr., Napoleons und so vie= 
ler anderer begründet, und Gewalt hat sie wieder gestürzt. 
Politik der Gewalt riß Völker und Fürsten und Länder aus= 
einander und würfelte sie bunt zusammen, zwang heute sich 
zu lieben, was sich gestern noch in glühendem Haß zer= 
fleischte, Wahren und rohen Stoff machten Mensch und Völker 
aus. Mit Feuer und Schwert wurde die Lehre des Friedens= 
fürsten verbreitet und der Orient erfüllt mit Greuelszenen 
christlicher Äreuzfahrer. Dem muß ein Ende bereitet werden
	        

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