Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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Eine Wiedervereinigung begrüßt er wohl im Grunde; sie aber 
in einer neuen Urganisation.zu suchen, ist gefährlich. Eine 
Vereinigung nur in äusseren Formen ist zwecklos. Ein neues 
Dogma aufzustellen, würde, je fester es begründet, Undulg= 
samkeit und geistige Lähmung bringen, und damit vor allem 
das beseitigen, was mit der protestantischen “reiheit der 
geistigen Welt der enschheit geschenkt wurde. Das wäre 
ebenso verderblich als es von jeher war, daß der Staat sich 
än die religiösen und kirchlichen “ragen mischte. Es mag 
vielmehr in edlem Tatwettstreit jedes seine Art behalten, 
denn "auch in. der mannigfaltigen Verehrung des Höchsten 
liegt etwas Großes und Erhabenes" (ebd. S. 503)... Im.übrigen 
heißt. es in ganz rationalistischer Auffassung, die aller= 
dings später einer gewissen Revision unterworfen wurde: 
"Religion ist freilich ein Knotenstock auf der Meise durch 
das Leben, wohl stützt sich mit. ihn mit Resignation der 
Gepeinigte, wenn Menschenhülfe keine Rettung gewähren 
kann. Solange er sich aberfiese noch als möglich denkt, 
und er Rechtsansprüche darauf zu haben glaubt, 1äßt er 
sich ohne zu murren, nicht anweisen an Religion und Himmel. 
Leben könnensteht also 9obenan; alles: andere ist unterge= 
oräneter Bedeutung (E.Z. Nr.56). 
Umso wertvoller ist für ihn die Moral. Sie vor allem in 
das!richtige Verhältnis zur" Politik gebracht, bedeutet 
für ihn die Lösung allerg staatlichen und sozialen Schwie= 
rigkeiten gewonnen zu haben. Alle Errungenschaften der 
Wissenschaften, der Künste und der Industrie sind ihm 
nichts anderes, "als die bloße Morgenröte der menschlichen 
Sestimmung", solange die sittliche Veredlung des Menschen 
und seiner Handlungen, die zwar im privaten Leben eine hohe 
Kultur erreicht, nicht auch im öffentlichen politischen 
Teben allseitig wirksam wird (Pol,Ann. 11/102.ff.).. Der 
Sinn für Wahrheit, der von unten anfangen muß, der Gedanke 
der Mäßigung, der den Menschen zu williger Beschränkung 
gewöhnt, und wozu das Beispiel von oben gegeben werden 
solı, und. der. Geist, der Gerechtigkeit, der keinen Unter= 
schied der Person kennt, wo immer es sei: das sind die 
“rundlagen moralischer Art, auf denen ein Staats- und Völ= 
kerleben aufgebaut werden kann zu dauerndem Bestand (P01. 
Ann. 3/207-8). Zwar findet sich einmal in Murhards Anschau= 
ung die entgegengesetzte Erkenntnis, daß Politik eine Er=
	        

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