Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

lung so leistungsfähig macht, wie man in anfänglichem 
Überschwang gerhofft". Es liegt überhaupt in der reiz= 
baren, unstäten und schwer zu befriedigenden Stimmung 
unserer Zeit, daß sie rasch von einem Äußersten zum an= 
deren überspringt (Pol.Ann. 7/8). Davor ist zu warnen 
und umso fester an dem Glauben und der Überzeugung zu 
hängen, daß die funktionellen Einrichtungen einer reprä= 
sentativen Verfassung, wenn auch nicht das Allheilmittel 
so doch das einzige sind, das Besserung bringt. Leider 
muß die Meinung, daß Volk und Volksvertreter dasselbe 
sei,nur zu oft als gefährlicher Irrtum bezeichnet werden 
(Pol.Ann. 7/9). Nur zu leicht werden die Volksvertreter 
' zu einer besonderen Kaste, die das Volk vom "Genusse 
seiner ersten und heiligsten Rechte" ausschliessen. Dem 
ist dadurch zu begegnen, daß die Parlamente mit kurzen 
Fristen neu gewählt werden (Pol.Ann. 5/380); daß man 
dabei verdiente Männer erneut deputieren darf, ist eine 
Billigkeitsforderung. Wichtig vor allem ist die parlamen: 
tarische Schulung. Es ist "eine Folge unserer politische: 
Lage und unseres metaphysischen Charakters" (Pol.Ann.7/5 
sagt kurz er von den Deutschen, daß "die Kraft dieses 
gewiß reich begabten Volkes im Gebiete der Politik vor 
allem auf das Schreiben gewandt ist; und ehe sie zum 
Handeln kommen, wird ‚entsetzlich viel geschrieben und 
immer geschrieben, nicht einmal geredet, noch weniger 
getan, was not ist". (E.Z. Nr.8), und diese Kraft und 
"Ernst und Gründlichkeit, und ein aufrichtiges Streben, 
das Bessere, wo es erkannt wird, zu erreichen" (Pol. 
Ann. 7/6), werden bei stets zunehmender Übung zu der 
Gewandtheit und politischem Takt führen, über dessen 
Mangel jetzt noch Franzosen und Engländer spotten, Das 
Sachliche muß .in den Mittelpunkt treten) es geht .nicht, 
daß ein Abgeordneter aus persönlichen Gewissensbedenken 
sein Mandat aufgibt, weil eine Angelegenheit gegen seine 
Überzeugung abgelehnt worden ist (Pol.Ann. 7/22). Das 
heißt aber keineswegs, den Ständesaal "aus einem der 
gemeinsamen Beratungg£ für das gemeinschaftliche Beste 
gewidmeten Versammlungsplatz in ein Kampffeld für zwei 
streitende Parteien" verwandeln (Pol.Ann. 10/338), und 
deshalb ist ein Abstimmen der Deputierten in Parteigrup= 
pen verwerflich (ebd.), eine Überzeugung, die sehr
	        

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