Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

mag üliese Herrschaft ethisch noch so schlecht begründet 
sein, so ist diese Hrscheinung doch. tier in die kultur= 
losen Menschen verankert, die sich zitternd vor Donner 
und Gewittersturm beugen. Gang der Natur ist es gewesen, 
daß die Schwäche sich an die Stärke anlehnt; und dieser 
Aristokratie, die dem Weisesten das Richteramt, und 
dem Tapfersten das Führeramt im Äriege übergibt, soll 
kein Gegenwort geredet werden. Ganz anders steht es um 
die feudale und Erb-Aristokratie, die besonders, wie sie 
sich heute gibt, gegen alle Natur ist. Mögen sich ihre 
Ahnen wirklich als Erste ausgezeichnet haben, ihre Nach= 
| fahren haben durch Usurpation vor allem des Grundeigen= 
tums sich auf Kosten ihrer Landsgenossen bereichert und 
nunmehr ist es soweit gekommen, daß die nichts mehr 
geben, sondern nur noch empfangen, daß sie nicht mehr 
schützen, sondern sich schützen lassen, und zeigen "sich 
gegen den dritten Stand, wie bei gewissen wilden Stämmen 
die wänner sich gegen ihre Weiber verhalten. Haben diese 
die Anstrengungen und Schmerzen der Niederkunft ausge= 
standen, dann erholen sich jene an ihrer Stelle in ge= 
mächlicher Ruhe und gütlicher Pflege, als hätten sie ge= 
boren” (Pol.Ann. 6/17). "In jener rohen und barbarischen 
Zeit, wo das Fßtrecht das Völkerrecht konstituierte, 
mochte er gleich feuerspeienden Vulkanen Ehrfurcht zu 
erzwingen durch Verbreitung von Furcht und Schrecken, 
aber heute ist der Adel "ein ausgebrannter Ärater des 
Mittelalters" (Pol.Ann. 2/123). Daß ein Staatswesen ohne 
Patriziat und Erbadel, ja sogar als Erbmonarchie besteheır 
und mächtig sein kann, lehren China und Japan, wo bei 
monarchischer Staatsform das erbaristokratische Element 
fehlt, besonders aber die republikanischen Staaten von 
Nordamerika (Pol.Ann, 10/358). 
Wie eben in dem Wort vom dritten Stand schon bedeutsam 
die Terminologie von 1789 anklingst, so tritt Murhard 
dementsprechend ausdrücklich der Auffassung Montesquieus 
vom Wert und der Aufgabe einer FxXzg Pairskammer ent= 
gegen. Die Einrichtung einer Ersten Kammer mag er 
schließlich hingehen lassen, "in Staaten, die keine pri= 
vilegierten Stände haben", allein die Notwendigkeit
	        

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