Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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tung des Nähr-, Wehr- und Lehrstandes aufgebaut. Aber 
die Entwicklung der menschlichen Gesellschnaft hat es 
mit sich:gebracht, "daß weder die „ehrhaftigkeit noch 
das “rundvermögen, oder gar die Künste und Wissenschaf= 
ten heutzutage das Erbgut einer Klasse von Menschen 
sind, und: vor allem die Entfaltung der industriellen 
und Handelskräfte hat die alten Vrundlagen verschoben, 
"und somit isbt.auch das, Urteil über die alten Landstände: 
gesprochen” (ebd. 8.305). Welch ein Unterschied zwische: 
dieser Auffassung Hurhards und etwa den Regierungsmaxi= 
men, mit denen damals Preußen die Rheinlande behandelte. 
— Anstelle der Landstände also Delegierte. 
In der Frage. nach einem etwaigen Wahlzensus geht Murharc 
wieder an den äußersten linken Flügel der damaligen 
Meinungen, weit über Rotteck etwa und selbst die frans 
zösische Charte von 1793 hinaus. Es steht für ihn außer 
jeder Frage, daß das passive Wahlrecht allgemein sein 
muß. "Kein Bürger, der das Vertrauen, dis Liebe und die 
Achtung seiner Kitbürger besitzt,udarf ausgeschlossen 
sein" (Pol.Ann.4 /160 und 6/9). Dasselbe auch für das 
aktive zu fordern, 1äßtisichlalsısein eigentlicher 
Wille an alle den Stellen herauslesen, wo er. in der 
üblichen Weise die Aktivität an einen gewissen Besitz 
knüpft (a.a.0.); ein “rundsatz, wie er hinzusetzt, 
(Pol.Ann. 4/153), "dem ich übrigens keineswegs unbedingt 
beipflichte"." Es: ist‘ dertaufklärerische Bildungsindivi= 
dualismus der Menschennatur, der langsam die berufstän= 
dische Interessengruppierung sprengt und sich an die 
Stelle der alten Stände zu setzen sucht. Mit ingrimmigem 
Spott aber weist er die ab, von denen das aktive Wahl= 
recht an den Grundbesitz gebunden wird, Das ist ihm 
geradeso, als ob die Schulbänke die Schule machen,. und 
als ob die Menschheit in ein paar herrschende Spartaner 
und Plantagenbesitzer zerfällt und die Masse der land= 
losen Helosen und weißen und schwarzen Sklaven, als ob 
Tugend, Verdienste und Talente nicht sind ohne Grund 
und Boden, und als ob "der Verein der Grundstücke zum 
Gebiete mehr den Staat ausmache als der Verein der 
Menschen zum Volk" (Pol.Ann. 8/307-8). Es muß vielmehr
	        

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