Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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auch der Sicherheitsgedanke das vorherrschende Element, 
dem selbst die Wohlfahrt. nachzustehen hat (Pol. Ann, 
3/417), so ist bei aller Unvollkommenheit erster Ein=- 
richtungen die Hauptsache, daß ‚sie da} sind; "sie sind 
besser wie garkeine" (Pol Ann. 2/2404). Inısich-soll 
jedes Volk das Streben haben, "Wahrheit, Mäßigung und 
Gerechtigkeit" (Pol.Ann. 53/206) lebendig werden lassen, 
und ‚einen offenen Blick für gute. Beispiele anderswo wah 
ren. Darum lobt Murhard den Standpunkt der großherzog= 
Tich ‚hessischen Regierung, dien der Einleitung zu 
ihrer Justizverfassung vom 1.Dezember 1817 erklärt, 
"das Gute ohne Rücksicht auf seine Quelle zu ehren und 
dasjenige zu einem Gemeingute zu erheben, was in jedem 
Teile des Staates sich als Wahrheit vorzüglich und die 
echte Freiheit fördernd darstellt" (8.2. Mp.74). Nichts 
ist verwerflicher als nationaler Eigendünkel; "jedes 
Volk hat seine Vorzüge und Mängel, und die eigene Vor= 
trefflichkeit soll uns nicht blind machen gegen das, 
was unbeschadet derselben wieder andere Völker vor uns 
voraus haben" (8.2. Yr.2293). So mögen die Völker, die 
"nach vieljährigen blutigen Kämpfen" das Bestreben 
haben, sich "als eine große Familie in Gottes schönem 
Reiche" zu erkennen, such bei der Einrichtung ihrer 
Verfassungen von einander lernen. Zwar muß eine gewisse 
Überlegung dabei herrschen, denn "der Buchstabe einer 
Verfassung und Gesetzgebung mag bei den verschiedenen 
; Völkern derselbe sein; nie geben sie dieselben Resulta= 
te, die mehr das Werk des Geistes und Charakters des 
Henschen sind. Das Wort läßt sich übertragen, nicht 
der Geist, der im Leben und durch es sich bildet und 
entwickelt” (Pol.Ann. 10/71), und "von den schönsten 
Papierplanen zur lebendigen Verfassung eines Volkes" 
ist noch ein großer Schritt (Pol Ann. 4/1750). Ganz 
besonders warnt er vor einer Nachahmung der englischen 
Verfassung, Schon in der 3.2. 2.75 wehrt sich Murhatd 
ausführlich gegen die damals noch ganz übliche Hoch= 
schätzung der englischen Verfassung. Er sieht darin 
nichts als eine Modesache, zu der Montesquieu den Ton 
angegeben, und die dann Schmalz mit seiner Untergrün= 
dung durch altgermanische Institutionen und der Tendenz 
auf eine unumschränkte Monarchie zum Gipfelpunkt der 
Verwirrung getrieben habe. Außer Frage steht es, daß
	        

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