Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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Schreckens beschritten werden mußte. Es ist die tragi= 
sche Schuld Ludwigs XVI., daß er. nicht groß genug war, 
"König der Nation umd nicht einiger Stände in ihr-zu 
sein" (ebd. S.8), daß er glaubte, die Stützen seiner 
acht und seines Thrones lägen im Adel statt in dem 
"Willen und der Kraft der Nation". So trat der König 
der neuen Bewegung im letzten Grund feindlich entgegen 
und so war "sein Untergang entschieden", Es steht eben 
nicht mehr an, daß sich der Hof und was sich zum engere 
Kreise der Regierenden rechnet, von den Regierten löst 
und "seine eigene Ehre, seine eigene Moral und Religion 
hat (ebd. S.12). Und wenn schon alle die Staatsmittel 
wie heimliches Auflauern, Spionage und "die heillosen 
Mautanstalten" den Menschen verderben, um einen Bürger 
aus ihm zu machen, (ebd. S.13) so war es doch das ver= 
derblichste und demoralisierendste, daß die fürstliche 
Erbpolitik die Menschen wie Stoff und Ware behandelte. 
Deshalb hinweg mit dieser fürstlichen Familienpolitik, 
die kein Verhältnis zwischen Regierung und Volk aufkom= 
men 1äßt, das ein wahres Staatsleben ermöglicht; und 
darum begrüßt Murhard die Säkularisation, die diese Kiß 
stände ganz gewaltig eingedämmt und ein gutes Stück dem 
näher gebracht hat, was Rechtszustand ist und darüber 
hinaus einen Staat wahrhaft begründet (Pol.Ann. 2/1115), 
Es darf nicht sein, daß ein Heer von selbstsüchtigen 
Intriganten den Fürsten wie eine Mauer umgibt, hinter 
der sein Thron."in orientalischer Abgeschiedenheit" 
steht (Pol.Ann. 6,23). Seit der französischen Revolutio 
müßte man es wissen, worin das "größte und wichtigste 
Geheimnis der Regierungskunst" gegenwärtig besteht; 
darin, "daß der Regent sich die Kraft und den Willen 
der Mehrheit anzueignen weiß", und daß sich die Regie= 
rung "im Geiste des Volkes bewegen" muß (ebd. 8.11). 
Das Volk ist an Kenntnissen und Aufklärung ebensoviel 
Teicher geworden, als seine Leistungen und Opfer an 
Gut und Blut im großen Freiheitskampfe ihm das Recht 
zu solchen Forderungen gaben. Und es gibt ein Mittel, 
und seine ADS DAUDS "ist kategorischer Imperativ der 
Zeit” (E.Z. N?m1), durch das die Regierung für sich 
allenNutzen und für das Volk allen Segen schaffen kann.
	        

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