Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

Ad 
Deutschland zwischen Rußland und Frankreich und inmitten 
von ganz Europa stehen. Je mehr aber der deutsche Bun= 
desstaat die "Farbe des Fürstenbundes" ablegt, und sich 
"der Idee eines Völkerbundes so viel als möglich nähert" 
(Pol.Aänn. 5/1355), umso mehr gibt er dem Deutschen Gele= 
genheit, seine "natürliche. Anneigung zum Weltbürgersinn" 
auszuwirken.Alle edlen Tugenden, Achtung vor Völkerrecht, 
Freiheit und Gerechtigkeit, lernt er "zu seiner recht 
eigentlichen und wahren Folitik zu erheben" (ebd. 5.136). 
Daß Handel und Industrie in Föderativstaaten blühen, 
zeizt die nordamerikanische Union; daß aber im Föderativ= 
gCaate die höchste Kraft des Patriotismus lebt, das 
lehrt die Geschichte des alten Hellas ebenso wie der _ 
Schweizer und Niederländer. 
Für die deutschen Fürsten sollte es eine ruhmbringende 
Aufgabe sein, aber höchste Fflicht der Bundesversammlung 
als. oberstes rgan des, Bundes muß es sein, alles zu tun, 
was der Nation diese Verfassung lieb und teuer machen 
kann, wenn sie zum Mittel- und Brennpunkt der Intelligenz 
wird, "wenn ÄAchtungswertes unter ihrem Einfluß zustande 
kommt, und die Keime des Guten und Großen, welche sie in 
ihrem Schoße verbirgt, zur Entwicklung. befördert werden" 
KPol.Ann.. 5/140), 
In diesen Gedanken Murhards zur deutschen Frage sind die 
Schwächen ebenso unverkennbar wie auch im wesentlichen 
CH die Xichtung der Quellen, aus denen sie geflossen sind, 
wobei es im Einzelnen jedoch kaum möglich sein wird, eine 
direkte literarische Beeinflussung nachzuweisen. Es soll 
auch weniger der Zweck dieser Erzählung sein, nach origi= 
nalem Gedankengut zu suchen, als weit mehr zu zeigen, mit 
welchen Vorstellungen das Lesepublikum der “urhardschen 
Zeitungen sicH3 auseinanderzusetzen und zu erfüllen hatte, 
und wie in diesen Kreisen des gehobenen Bürgertums auch 
in den Sachen der deutschen Frage ganz allmählich die 
breite Grundlage geschaffen wurde, auf der dann die spä= 
teren folgerichtigeren Versuche zur Lösung dieser Pro= 
bleme aufgebaut werden. Mag immer die große Linie der 
Murhardschen Anschauungen eine Richtung genommen haben, 
die im Gesamtablauf der Geschichte der deutschen Frage 
akE starke äussere Hemmungen bedeutet hat, so liegen
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.