Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

GT 
wie im Jahre 1795, als sich der deutsche Süden vom Norden 
absonderte, dann wird wie damals namenloses Elend und 
Unheil über ganz Deutschland hereinbrechen. Murhäard ist 
bereit, die Kaiserkrone wieder gelten zu lassen, wenn‘ sie 
wenigstens als einigendes Symbol wirken könnte. Und gegen 
Görres wendet er sich, der da’ meint, die Ausgangslage für 
eine wahrhafte Union sei geradezu trostlos angesichts der 
vorhandenen 39 Einzelstaaten,. 
Mürhard Schlägt vor, eine Winrichtung zu schaffen, in der 
jedem Einzelstaat , ganz unbeschadet seiner Größe, in die= 
ser Vereinigung dasselbe Recht xzuzkz%@#kX zustehe. Die Einzel: 
heiten soll die repräsentative Bundesversammlung festlegen 
Das Wesen aller Maßnahmen aber müsse getragen werden von 
den Grundsätzenkines zeitgemäßen Verfassungslebens, wie 
es der 8 13 der Bundesakte vorsieht. 
Hier wartet sicherlich die schwerste Aufgabe: wer ihre 
Lösung hemmt und hintertreibt, ist ein unzeitgemäßer Mensch 
Dem gefürchteten Argument dieser Leute, daß dann der Re= 
volution Bahn gebrochen werde, hält Murhard entgegen: 
"Die Nation der Deutschen, blutige Revolten verabscheuend, 
jedem Spiel mit der Gewalt des Zufalls abgeneigt, will mit 
Besonnenheit, Ruhe und Ordnung, nach den Andeutungen der 
Zeit, eine größere politische Bildung sich aneignen. Ein 
neues Leben. kann erschaffen werden durch entschlossenen 
PA 2,/30 Willen" (.....). 
Den Schutz solcher Einrichtungen geben nicht die teuren 
Heere ab, die meist. als Paradesoldaten im Ernstfall ver= 
sagen, - solchen Schutz bietet nur eine Verfassung im Ein= 
zelstaat wie im gesamten Bund, die von jedermann geachtet 
und verehrt, norfalls gefürchtet wird. Die Methoden der 
Kabinettspolitik des 18.Jahrhunderts haben im 19.Jahrhun= 
dert keine Existenzberechtigung mehr. Dabei ist es wün= 
schenswert, ja heilsam, daß allerorts eine ehrliche Oppo= 
sition entsteht, die im Dienste aller Kontrolle übt und 
den Geist ständigen Fortschritts befeuert. Öffentliche Kri- 
tik und die Öffentliche Meinung werden Zeigen, was eine 
so aufgebaute Konföderation zu leisten vermag. Bajonette 
vermögen das nicht; aber Pressefreiheit bedeutet nicht 
Pressefrechheit, die es leider auch gibt. 
Doch aus noch ganz anderen Gründen ist ein deutscher Bun=
	        

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