Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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Be) Die. deutsche Wirklichkeit... 
A f SZ 
Trotz allem Interesse, das Murhard für die politischen 
Entwicklungen im Ausland hat, vergißt der Herausgeber der 
Annalen niemals seine Aufgabe: seine Leser vertraut zu 
machen mit der deutschen Wirklichkeit. Was nier an Auf= 
sätzen die Zeitschrift bietet, kreist ständig um die For= 
derungen des Liberalismus und seine Institutionun. Im 
Brennpunkt solcher Erörterungen steht natürlich der Deut= 
sche Bund. Mag dieses Institut immer weiter hinter den 
Erwartungen zurückbleiben, die man nach den Freiheitskrie= 
gen auf ihn gesetzt hat, mag Karlsbad auch die Optimisten 
mehr und mehr zur Resignation zwingen: Murhard versteht 
es, mit seinen aktuellen Artikeln das schwindende politi= 
sche Interesse seiner Leser zu beleben und den Liberalis= 
mus nicht zum völligen Erliegen kommen zu lassen, 
Ein Beispiel für diese Arbeitsweise gibt Murhards Aufsatz 
ab, den die Annalen 1822 unter dem Titel, "Der deutsche 
DA 5,111 Bund und die Bun esversammlung" veröffentlichen ( Yo 
In diesem Aufsatz ist neben einer umfassenden Berichter= 
stattung über die in den letzten Jahren geleistete Arbeit 
guch viel Grundsätzliches enthalten und mancher. Vorschlag 
einer Neudisponierung dieses Organs der deutschen Staaten= 
welt. 
An der Spitze solcher Informationen steht für Murbard die 
durch Erfahrung erhärtete Erkenntnis, daß eine Einrichtung 
wie der Deutsche Bund nur wachsen und Frucht tragen kann, 
wenn hinter seiner Tätigkeit das- echte Interesse des gan=- 
zen Volkes am Werke ist. Nicht die Formalitäten sind das 
Entscheidende, sondern der Geist, der alles trägt und 
durchäringt. Damit ist Murhards Standpunkt in dieser Frage 
festzelegt: der Deutsche Bund muß das Repräsentativorgan 
einer bundesstaatlichen Konföderation werden. Nicht wie 
heute, daß die ererbten moralischen Qualitäten der Deut= 
schen gewahrt werden sollen durch einen Fürstenbund, nur 
eine gesamtdeutsche Union kann zu echten freiheitlichen 
Zielen führen. Wenn Uneinigkeit - und gar in doppelter 
Form zwischen Regierung und Volk einerseits und anderer= 
seits in verschiedenartigen politischen und wirtschaftli= 
chen Interessen - wenn ein unehrlicher Wettkampf eintritt 
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