Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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niertes Innenleben derart inbrünstig und leidenschaftlich 
durchbrechen. 
Am Ende seiner Ausführungen stellt Murhard eine Thesen= 
fölge auf, mit deren Hilfe er Europa bewahren will vor 
einen Rückfall in die äußere wie geistige Situation vor 
1789, 
An der Spitze steht - bekanntes Erbgut - die Moral. Sie 
ist ungebeilt. Wird sie so gelebt, schwindet der Zwiespal 
zwischen Herr und Diener, zwischen Fürst und Volk. Ist 
die Lebensmaxime dieselbe beim Souverän wie beim kleinen 
Mann, so ist der Weg beschritten, der zum Guten und zur 
Wohlfahrt für alle führt. (PA 47,2) 
Die nächste Grundforderung ist die, daß jedermann davon 
überzeugt wird, ein Staat sei ein Gebilde vernünftiger 
Menschen, die das Recht haben, bei allen Institutionen 
und ihren Aufgaben mitzuwirken, und zwar das Volk in 
überwiegendem Maße, Voraussetzung dazu ist ein gleiches 
Wahlrecht für alle, festgelegt wie die Fülle anderer Be= 
rechtigungen in einer geschriebenen Verfassung. Murhard 
folgt damn in den zeitgemäßen Abwandlungen dieser Grund= 
rechte deutlich erkennbar dem Geiste  Rousssauss An der 
Praxis allerdings vielfach Anschauungen wie Guizot ver= 
trieb. 
Den Staat und die Regierung erinnert er daran, daß zu 
unterscheiden sei zwischen dem zeitlos Ewigen und dem 
Variablen der jeweiligen Gegenwart und ihren Notwendig= 
keiten. Geistige und körperliche Ertüchtigung werden 
nicht minder gefordert als freie Rede, Presse und Meinung 
bildung. Ausführlich beschreibt Murhard, was dazu an R&8= 
alitäten notwendig ist. An oberster Stelle aber steht die 
Wacherhaltung eines revolutionären Geistes, der sich 
nicht auslebt in Katastrophen, sondern im Ausbau der vor= 
erwähnten Instätdtionen. 
Vergleicht man die beiden analysierten Aufsätze aus den 
PA 10,3 Jahren 1821 und 182%, Mm fällt auf, daß jener sich aus= 
zeichnet durch eine gründliche Orientierung in den Fak= 
fen; Es geschieht in solcher Gründlichkeit, wie sie keine 
andere Publikation aus gleicher Zeit darbietet. Der spä= 
tere Aufsatz ist vielfach vom Atem bitterer Resignation 
änmwittert. Sein Akzent ruht auf innerpolitischen Fragen.
	        

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