Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

Blume, wenn auch nur eine taube Blume getäuschter Hoffnung 
zieht; du braves, teilnehmends Volk, das selbst von Not 
gedrängt, fremder, hob abzuhelfen bemüht 153, =... das in 
eigener Bedrängnis. sich nicht. zu. retten weiß und doch 
aller Welt mit Rat und Tat an die Hand zeht; duf treues, 
biederes Volk hast alle Tugenden eines achtbaren Privat= 
mannes, aber keine öffentlichen ..... In dem Gaue siehst 
Du einen Staat, in seinen Bewohnern eine Nation und in 
den Klatschereien deines von deinen vornehmen Leuten be= 
wohnten Stadtviertels, Welthändel" ( ). PA 5,266 
Wieviel. richtige Beobachtung der deutschen Verhälfnisse, 
mit. Spott. und Ironie vorgetragen, aber auch wieviel un= 
überhörbare Bitternis spricht aus solchen Sätzen! 
Und Murhard fährt fort: es scheine die ewige Verdammung 
über seinem Volke zu walten, daß stets Zerstückelung sein 
Schicksal ausmache. Ja, man arbeite in deußschen. Landen 
geradezu diesem Ziel entgegen! "So war es in der Vergan= 
genheit, so ist es in der Gegenwart!" ( ebda ) 
Staaten @x%x% dritter und vierter Ordnung haben es außerhalt 
Deutschlands in aufrichtigem Einverständnis von Fürst und 
Volk zu zeitgemäßen Staatsoränungen gebracht. Nur in Würt= 
temberg, in Bayern und in Hessen-Darmstadt hat man den 
Ruhm gerettet, daß in Deutschland das Gefühl und Bewußt= 
sein für Recht und Unrecht, für Wahrheit und Lüge doch 
noch. lebendig ist. Diese. Staaten müßten zu Vorbildern für 
die anderen. werden, dann. könne. sich vielleicht doch noch 
alles zum Besseren in Deutschland wenden. 
Abschließend lesen wir die Sätze: "Ich liebe mein Vater= 
land; ich liebe es so sehr, daß ich von seinen Vorzügen 
PA M1,423 kaum zu reden wage" ( ).' Ich möchte’ es” tun, würde sol= 
che Rede nicht von der gegnerischen Partei als Schlech= 
tigkeit, als Aufruhr, als Treulosigkeit verl1eumdet und 
als Zugeständnis an die "Teutschtümelei" verstanden, Aus 
allen diesen Gründen will Murhard schweigen und es mit 
Tacitus halten: "rara temporum felicitas, ubi.sentire  quae 
yelit et quae sentias, dicere licet (>— ). Wer würde 
nicht angesprochen von einem derart formulierten Vater= 
landsgefühl! Sein Ernst, sein Anstand beruhen auf einem 
kultivierten Weltgefühl. Nur an wenigen Stellen seines 
Gesamtwerkes 1äßt Murhard einmal sein sonst so diszipli=
	        

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