Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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reich verteidigen lassen, sondern auch die griechische 
Kultur zu 1mmer großartigerer Blüte befähigt. - In Deutsch: 
land ist es in wesentlichsten Punkten zanz anders, bei 
sonst so viel Ähnlichkeit. Nur in allererößter Not hat man 
sich hierzulande zusammengefunden. War die Not behoben, 
fiel.alles wieder auseinander, Eifersucht und Engstirnig= 
keit ließen ein Konglomerat kleiner und kleinster Staaten 
entstehen; die Fürsten waren seine vornehmsten Urheber. Am 
verhängnisvollsten aber hat es sich bei den Deutschen aus= 
gewirkt, daß es bei ihnen keinen anerkannten räumlichen 
und geistigen Mittelpunkt gegeben hat bis auf diesen Tag. 
Wann und wie soll das einmal anders werden! 
Ein weiterer Unterscheidungspunkt zwischen Deutschen und 
| riechen - aufschlußreich für die gesamte Willenshaltung — 
EZ 8,29 ist die Methode des Kolonisierens ( ). 
Die griechischen Kolonien verblieben in ständiger Verbin: 
dung. Ihre Kultur war die der alten Heimat. Zwischen beiden 
fand ein friedlicher Wettbewerb statt. Was aber tun die 
modernen Staaten? Das Wort vom Kosmopolitismus existiert 
für sie nicht. Kolonien sind einzig Ausbeutungsobjekte, 
wobei jedes Mittel recht ist. Bewohner, sofern sie einge= 
boren sind, werden ausgerottet oder schändlich drangsaliert, 
Kein Wunder, wenn in der Neuzeit sich diese Kolonien vom 
kontinentalen Mutterland losreißen und ihren eigenen Staat 
in Freiheit und Menschenwürde errichten. 
Deshalb: nicht die %eschichte zur Lehrmeisterin nehmen. 
Zu vieles, was. sie berichtet, ist dunkel und, verfälscht, 
Vielmehr soll jedes Volk das Selbstbestimmungsrecht haben, 
soll sein Schicksal aus eigener Kraft bestimmen und bewäl= 
tigen. Wieviel Böses wäre vermieden worden, hätte man die 
Vernunft walten lassen. Aber trotz allem: dermaleinst wird 
die Vernunft doch siegen! Das ist der unerschütterliche 
Glaube des Rationalisten Murhard.
	        

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