Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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Hort der Freiheit sind“ War es etwa ihre "Unmündigkeit”, 
EZ 7,20 mit der sie das Werk ihrer Verfassung zeschaffen? ( ) 
Für den Plan einer modernen liberalen Verfassung mißt Mur= 
hard größte Bed-utung der Schaffung einer Volksvertretung 
zu. Leidenschaftlich warnt er vor einem Fortbestand der 
bisherigen landständischen Vergammlungen. Er weiß, daß es 
noch vielfach an Persönlichkeiten fehlt, von denen dieses 
Problem erneut durchdacht wird und die zum gleichen Urteil 
wie Murhard gekommen sind. (ebda ). Murhard zibt in seinem 
Aufsatz einen Überblick über den Stand dieser so wichtigen 
Frage, wobei er ausdrückiIich die Argumentat fonen seiner 
Gesinnungsfreunde nutzbar macht. den damalizen Leser muß 
es überrascht haben, daß die Diskussion über die Repräse-n- 
tatıon in allen Teilen Deutschlands in Gange Ist, wenn 
auch vornehmlich in den westlichen Gebieten. 
Murhard erklärt Landstände alter Art für das politische 
Leben der Gegenwart und Zukunft als unbrauchbar. Landstände 
sind an Geburt und. Observanz gebunden, echte Repräsentativ- 
versammlungen an gewählte Deputierte aller Volksklassen. 
Dementsprechend sind die Arbeitsmethoden. Man 1äßt in Land-= 
ständen z.B. Steuern bewilligen von adligen Großgrundbe= 
sitzern, die persönlich nichts oder kaum etwas zahlen. 
Leider sind die Bürgervertreter unwissend oder in der Ge= 
sellschaft von Adligen befangen. Beschränkung der fürstli= 
chen Gewalt kommt nie dem Volke, sondern stets dem Adel 
und dem Klerus zunutze, damit sie das Volk noch mehr be= 
ädrücken können. Die echten Repräsentanten müssen aus dem 
ganzen Volk und durch das Volk gewählt werden. Sie müssen 
sachliches Wissen haben, das _siedkuernd vermehren sollen, 
Deshalb ist die Forderung eines Justus Möser so richtig, 
daß wenigstens der Landtags-Syndikus besoldet werden müsse. 
Landstände "reformieren", wie häufig vorgeschlagen wird, 
ist völlig abwegig. Die Rheinpreußen, die ihre Erinnerunger 
an die französische Zeit nicht vergessen haben, sind die 
leidenschaftlichsten Gegner einer landständischen Restau= 
ration. Wer Geld hat, wird immer bemüht bleiben, möglichst 
niedrige Steuern zu zahlen. Man soll die vermoderten Ge= 
stalten des Ritteradels in ihrem Schlaf nicht stören; kurz: 
niemals sind Landstände für eine Volksvertretung genug. 
Oder aber: man konstruiert die Fiktion, daß jeder einzelne 
Landständler ist und sie alle zusammen die Landstandschaft
	        

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