Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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In einem umfangreichen Aufsatz gibt Murhard einen Xriti= 
EEE (7,232 schen Aufriß der englischen Staatsverfassung ( ). Mur= 
hard bezeichnet die allerorts in Deutschland verbreitete 
Meinung von der Vorzüglichkeit der englischen Verfassung 
für eine Modesache (= ). Zur Zeit ihrer Entstehung war 
sie ein Meisterstück. So sehr es Anerkennung verdient, 
daß xx England seine Verfassung verehrt und liebt, so hat 
es sich doch als Hemmnis herausgestellt, daß man in starreı 
Treue am Überkommenen jeden Einfluß abwehrt, wie ihn die 
veränderten Zeitverhältnisse mit sich bringen. Man hat 
übersehen, daß Wechsel alles andere als Zerstörung bedeu= 
tet. In England macht man geradezu ein Menschliches zu 
einem Göttlichen und vergißt, daß nichts Irdisches jemals 
vollkommen sein kann. 
In einem wahrhaft freien Lande müssen sich notwendig "die 
politischen Einrichtungen in das Bürgerliche Leben ein= 
schmelzen". Man will das nicht einsehen, und so "lastet 
eine ädrückende Schwermut auf dem Inselreich, ... das mit 
Verachtung auf den Kontinent herabschaut, aber die fröh= 
liche Hoffnung, die. mit dem lebendigen Wechsel verbunden 
ist, entbehrt". "Großbritfanfen hat sich mit seiner Verfas= 
sung überlebt, das Vortrefflichädhat aufgehört als vortgeff: 
lich zu erscheinen, weil es nicht mehr in die Zeit passen 
will", wahrlich eine harte Kritik, die: Murhard_ hier übt 
und die ganz anders lautet als sie sonst in Deutschland 
4 umgeht] 
Murhard begründet sein Yrteil mit einem Exkurs in die Ge= 
schichte des Inselreichs vom Mittelalter bis zur Gegen= 
wart. Ein Zeichen der Stagnierung des englischen Verfas= 
sungslebens ist ihm das zähe Festhalten an der Erbmonar= 
chie. "Jeder schonarch tendiert, schon seinem Wesen und 
der menschlichen Natur: nach, zur Selbstherrschart. 2.u 
Daher hat auch in @reßkrikkanike Großbritannien die Arone 
jede günstige Gelegenheit, die sich besonders in den neue= 
sten Zeiten häufig darbot, benutzt, um die Bollwerke zu 
schleifen, welche die Freiheit des Volkes gegen ihren Ein= 
fluß schützten". Die Regierung strebt nach Autarkie, das 
Volk will seine Freiheiten erhalten und ausbauen. Die alte: 
Mittel sind abgenutzt. "Nur eine zeitgemäße Reform der ; 
veralteten Verfassungen, verbunden mit einer Umbildung des 
gesellschaftlichen Organismus überhaupt, scheint Rettung‘.
	        

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