Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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eines Fürstenbundes sein kann, sondern Ausdruck eines Bun= 
des aller Menschen, deren Heimat ein deutsches Land ist. 
Glaubt man schon, nücht ohne zwei Kammern auskommen zu 
können, dann mag das Cberhaus die Regierungsvertreter der 
einzelnen Territorien umfassen. Das Unterhaus aber muß aus 
Deputierten bestehen, die in den Einzelrepräsentationen 
der Länder erwählt werden, Solange nicht der Stimme des 
Volkes Raum gegeben wird, gleicht das geplante Unternehmen 
der jetzigen Bundesversammlung einem Gewölbe, dem der 
Schlußstein fehlt. Das echte Unterhaus aber werde die 
Stimme des deutschen Parlaments, des gesamten deutschen 
Volkes sein. Mögen dann weiterhin die Männer des Oberhause 
wie bisher nach Instruktion abstimmen; die Deputierten 
des IMnterhauses sollen votieren einzig auf Grund ihrer 
Überzeugung. Und die ist die öffentliche Meinung. Damit 
wird das Unterhaus auch dem Öberhaus einen starken Impuls 
vermitteln. Die im Unterhaus zu Worte kommende Öffentliche 
Meinung ganz Deutschlands wird zu einer "moralischen Kraft 
werden, vor der die Willkür das Knie" beugen muß", Diese 
Einrichtung wird auch die Versammlungen in den Einzelstaa= 
ten überwachen. Bedeutsamer ist dies: "dem Bewohner der 
Gestade der Ostsee wird der Mann am Neckar kein Fremädling 
mehr sein; bald werden Österreicher, Preußen, Sachsen, 
Bayern, Württemberg, Hessen ..... brüderlich umarmen. Jede 
wird Deutscher sein wollen.:..... Nichts Großes, nichts 
Herrliches, nichts in die Jahrhunderie hinein Dauerndes 
kann ohne die Verwirklichung einer solchen Nationalreprä= 
sentation zustande gebracht werden. Ohne sie werden die 
Deutschen Kriege führen, wie sie sie immer geführt haben, 
andere Nationen zu vergrößern und zu beglücken; sie selbst 
aber werden klein bleiben und immer kleiner werden", 
E& 18,132 Um gewählte Deputierte geht es Murhard ( ). Stände 
sind keine Volksvertreter. Stände sind der Adel, die Groß= 
grundbesitzer, die Kirche mit ihren Prälaten; aber wo 
bleiben die Vertreter des Volkes! Wie würden Stände solche 
Art bereit sein, eine Revision der Steuergesetze oder die 
Aufhebung der Dienstbarkeit zu beschließen! Hier sollte 
der Bundestag mutigansetzen bei der Schaffung der Verfas= 
sung, aber nicht dauernd kleinmütig zu zögern und zu war= 
ten. Auf was eigentlich? 
Ist es nicht eine Wohltat, was der Bundestag bei solchen
	        

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