Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

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ist der Niederschlag solchen Denkens. Was die Besten der 
Völker erhofft, daß auch sie ein Mitspracherecht :in poli= 
tischen Dingen erhalten würden, wurde brutal beiseite ge= 
schoben. Die in Frankfurt tagende Bundesversamumlung ist 
dann zu einem Fürstenbund geworden, dessen Gesandte einzig 
nach Weisung der sie entsendenden Fentaten verhandeln 
und abstimmen. Nichts mehr von Volksvertretung und gesamt= 
deutschen Interessen. "In kurzem hatte man es dahin ge= 
bracht, daß man in’ mehr alszeinem deubschen Lande sich 
garnicht die Mühe gab, sich nur darum zu bekümmern, was 
an einem deutschen Bundestage Gegenstand der Beratung und 
Verhandlung war", Murhard beklagt das alles, am meisten, 
daß eine Einrichtung, die so viel Segen und Würde ausstral 
len könnte, zum Gegenstand Öffentlichen Gelächters und 
bitterböser Karrikaturen werde. "Selten hat ein Institut, 
wie der Bundestag zu Frankfurt am Main, unter schöneren 
Auspifien begonnen; und hat so grausam schnell den viel= 
fachen Erwartungen eines ganzen großen Volkes so wenig 
entsprochen". 
Anläßlich der Wiedereröffnung der Sitzungen des Bun des 
berichtet Murhard mit spürbarem Optimismus von.einigen 
EZ 17,267 Neuen Gesandten ( >, Vor allem gilt sein Lob dem 
neuen Vertreter Württembergs, dem Frh.v.Wangenheim, der 
eine bemerkenswerte Rede gehalten in beispielhaftem 
Deutsch und voller guter Zukunftsgedanken für die Arbeit 
des Bundes. Murhard bringt dann seinerseits eine Reihe 
konstruktiver Vorschläge, wobei er aus Äußerungen des 
Präsidialversitzenden Unterstützung seiner Pläne zu erwar: 
ten meint. Der Bund solle sich legitimieren durch entspre: 
chende Einrichtungen, daß er als Mitglied des "europäi= 
schen Staatenvereins" anerkannt werde, daß der "ehrwürdige 
deutsche Name fortan” wieder erscheine, wie es ihm gebüh= 
re: erhaben in der Reihe der Nationen". 
Höre der Bund nur ein wenig auf die bescheidene öffentlict! 
Meinung, dann werde seine Arbeit sehr gefördert. Bei eini:Ä 
gen Gesandten — Murhard spielt auf v.Wangenheim an -, be= 
stünde die Aussicht, den Fürsten in ihrer Rückständigkeit 
entgegen zu treten. Der Bund müsse seine Kompetenz aus= 
weiten und vor allem festlegen. An wichtigen Arbeiten, dit 
dringend der Erledigung harren, nennt Murhard die Schaf= 
Yung einer bundeseigenen Militärverfassung. Ferner muß
	        

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