Full text: Friedrich A. W. Murhard, (1778 - 1853), Staatsrechtler und politischer Publizist im vormärzlichen Liberalismus (Teil 1)

von kurhessischen Gendarmen aufgehoben und mit brutaler 
Gewalt in ein eiskaltes Hanauer ÄArresthaus gesteckt - es 
ist der 18.Januar 1824 und Hanau gehört zu Hessen - und 
tags darauf nach Kassel abtransportiert zum dortigen 
Staatsgefängnis im Kastell an der Fulda. Murhards Bekann- 
ter Witt de Döring aus der westpkhälischen Zeit rettet 
sich rechtzeitig aus Frankfurt/M. nach Amerika, Der Kas= 
seler Polizeigewaltige geht allen Spuren nach; er hofft 
dabei Licht in. die. dunkle Affäre. der sogen. Drohbriefe, 
mit denen gegen die Mätressenwirtschaft des Landesvaters 
anonym Sturm gelaufen wird, zu bringen. Den Ausschlag 
zum Negativen gibt ein kurhessischer Spitzel, der sich 
als Amerikaner ausgibt, unter dem Namen Miller. Murhard 
hat dieses Subjekt eine Zeitlang beherbergt. Der denun= 
ziert Murhard. Murhard und Döring sind glühende Anhänger 
K.Follens gewesen. Döring, der sich auf abenteuerlichen 
Fluchten aus Österreichischen Kerkern in Italien gerettet 
hat ist französischen und schweizerischen Geheimbündlern 
zuzurechnen. {(Vgl.-auch_ unser 8.Kapitel).} 
Nür der Geistesgegenwart seines SPrugers Karl ist es zu 
verdanken,‘ daß Murhards sämtliche Papiere vor der. Be= 
schlagnahme gerettet werden. Dann verläßt auch der Bruder 
Karl Frankfurt und geht bei Nacht nach Wetzlar, weil er 
erfahren hat, daß die kurhessische Polizei auch nach ihm 
fahndet,. 
Über 8 Monate sitzt Friedrich Murhard in strenger Haft, 
ohne daß ein ausreichender Grund zu seiner Verurteilung 
gefunden wird. Schließlich kann er gegen Stellung einer 
ungewöhnlich hohen Kaution auf freien Fuß kommen; er 
darf aber Kassel nicht verlassen und muß "sich aller 
Schriftstellerei durch Herausgabe von Büchern, Journalen, 
Zeitungen sowie durch Einsendung einzelner Artikel in die 
öffentlichen Blätter gänglich enthalten" (verlorene Ge= 
richtsakten). Erst im Frühjahr 1827 erfolgt das Urteil; 
es weiß Murhard außer der Herbergung des Witt de Döring, 
eines politisch Verfolgten, nur seine liberalen Umtriebe 
und Verbindungen, ferner die Herausgabe der bei Cotta 
erschienenen "Allgemeinen politischen Annalen", in wel= 
chen die Rücksichten, welche jeder Öffentliche Schrift= 
steller den bestehenden Staatsregierungen schuldig ist,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.