Objekt: Hessenland (23.1909)

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phorus an der Innenseite der nördlichen Außen 
wand des ersten, an den Triumphbogen stoßenden 
Joches des Chores, aus zwei Figuren nebst Ver 
zierungen an der Innenseite der östlichen Außen 
mauer des südlichen Querschiffes und aus den 
Malereien an der aus einem Sterngewölbe be 
stehenden Decke des südlichen Querschiffes. 
Der h. Christophorus ist in übernatürlicher 
Größe, vielleicht 3,5 m groß, dargestellt, mit einem 
noch mit der Wurzel versehenen Baumstamm in 
der Rechten, und das Jesuskind, das auf der 
linken Schulter sitzt, mit der Linken haltend. Der 
Heilige durchschreitet einen Fluß in dem Nixen 
und Fische schwimmen. Auf dem rechtsseitigen 
Ufer kniet ein Eremit, der bei der Restauration 
einer alten bildlichen Darstellung der Legende des 
Christophorus entlehnt ist und dessen Einfügen 
wohl deshalb erforderlich war, weil das ursprüng 
liche Gemälde gerade an dieser Stelle sehr schad 
haft war. Die ganze ursprüngliche Malerei ist als 
eine tüchtige handwerksmäßige Arbeit zu bezeichnen. 
Das Gleiche darf wohl auch gesagt werden von 
den beiden Figuren an der Innenseite der östlichen 
Außenmauer des südlichen Querschiffes. Diese 
Figuren stellen in etwas über Lebensgröße den 
Heiland und den Mitter St. George dar. 
Das meiste Interesse beanspruchen die Male 
reien der Sterngewölbe des südlichen Querschiffes, 
die auch der Fläche nach die größten sind, denn 
das südliche Ouerschiff ist etwa 5,0 m lang und 
6,0 m breit. Die an den Schlußstein stoßenden 
vier Gewölbekappen sind mit den Attributen der 
vier Evangelisten, Engel, Adler, Ochs und Löwe, 
in bunten Farben bemalt, und zwar mag jede 
einzelne Figur etwa 1,5 m hoch und 1,0 m breit 
sein. Der übrige Teil der gedachten vier Gewölbe 
kappen und die vier anderen, etwa 5,5 und 6,5 m 
langen, ca. 1,2 m hohen Kappen des Stern 
gewölbes sind mit schön geschwungenem Ranken 
werk bemalt, dessen Spitzen vielfach in Blumen 
endigen. Die Schönheit und Mannigfaltigkeit 
dieser Blumen ist erstaunlich, da sie sich nicht 
wiederholen, sondern eine jede Blume anders ge 
staltet ist. So wird, obgleich zu den Blumen nur 
ganz ungebrochene Farbentöne, nämlich blau, rot 
und gelb, verwendet sind, eine reiche Wirkung er 
zielt. Auch waren die alten Malereien des Stern 
gewölbes so wohl erhalten, daß sie nur aufgefrischt 
zu werden brauchten und nichts hinzuzutun war. 
In betreff der Entstehungszeit der gotischen 
Malereien wird folgendes bemerkt 
An der Außenseite des südlichen Seitenschiffes 
findet sich, wie auch von v. Dehn-Rotfelser und Lotz 
schon angegeben, die Jahreszahl 1497 Aus der 
Außenseite der Ostseite des südlichen Querschiffes 
ragt ein Strebepfeiler heraus, der genau so ge 
staltet ist, wie die Strebepfeiler der Seitenschiffe. 
Die schräge Stellung des Strebepfeilers läßt un 
zweifelhaft erkennen, daß er ursprünglich eine Ecke 
verstärkte, und daß somit das südliche Ouerschiff 
später, also erst nach 1497, angebaut ist. 
Aus dem Anschluß der Scheidebogen und der 
Gewölberippen an den Triumphbogen ist zu ersehen, 
daß diese und somit der ganze Chor eher gebaut 
sind, als das Mittelschiff und die Seitenschiffe. 
Es kann aber zwischen der Erbauung der gedachten 
Bauteile kein großer Zwischenraum liegen, denn 
an dem Gewände der im Chor befindlichen Sakristei 
tür kommt ein dreifacher Birnstab vor, ein Birn- 
stab befindet sich auch am Gewände des steinernen 
Heiligenhäuschens, das an der östlichen Außenseite 
des Chores sich befindet und, wie es augenscheinlich 
ist ursprünglich ist, auch zeigt das Sockelgesims 
des Chores eine außergewöhnliche, zusammengesetzte 
Profilierung, so daß auch der Chor unzweifelhaft 
schon der späteren gotischen Zeit zuzuschreiben ist. 
Nun macht ja die Malerei im h. Christophorus 
den Eindruck, als ob sie etwas älter wäre als die 
Malereien im südlichen Ouerschiff. Man wird 
aber, da bekanntlich mit der Einführung der 
Reformation in Hessen 1526 die Gotik aufhörte, 
nicht fehl gehen, wenn man annimmt, daß die 
Malereien im südlichen Ouerschiff etwa kurz nach 
1500 und die Malereien des h. Christophorus 
im Chor etwas früher, vielleicht um 1480 ent 
standen sind. 
Westfälische Offiziere. 
III. Leutnant Milhelm Kupfermann. 
Bon Rechnungsdirektor A. Woringer. 
Der Mann, dem wir uns nunmehr zuwenden, 
hat einen Verherrlicher seiner Taten gefunden, wie 
er sich keinen besseren wünschen konnte. Unser größter 
deutscher Erzähler, Wilhelm Raabe, schildert in 
seiner Erzählung „Im Siegeskranze" den Auf 
standsversuch des westfälischen Husarenleutnants 
Kupfermann?) 
Nach dieser Erzählung haben im Jahre 1813 vier 
') Wilhelm Raabe. Gesammelte Erzählungen. 3.Auf 
lage, Baud 2, Seite 242.
	        
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