Full text: Reden, gehalten bei der Beerdigung des Herrn Ferdinand Gamburg in Frankfurt a. M. am 11. und 15. September 1892

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gehen, sie zu belehren, sie zu führen, ihnen die Gedanken, 
die er hatte, einzuflößen, sie zu überzeugen, und vor allem 
war es unsere Bereinigung, unsere Gemeinschaft, in der er 
nach seinem Herzen leben und wirken konnte. Unsere Loge 
hat er mit gegründet, da hat er sein Können voll zur Ver 
fügung gestellt, da hat er mit aller Kraft gearbeitet, das 
war so recht ein Ziel für ihn: Israeliten zu vereinigen, 
die zerstreuten Glieder der Gemeinschaft sammeln zu helfen, 
die Männer von rechts und links vereinigen zu dürfen, die 
Gegensätze auszusöhnen, auszugleichen, ein gemeinsames 
Arbeitsfeld zu finden für unsere Aufgaben, für die Aufgaben 
des Judenthums, welche die höchsten Ziele der Mensch 
heit sind. Dazu verband er sich mit uns, dazu grün 
dete er unsere Vereinigung. Und wie hat er diese Ziele 
bei uns erstrebt! wie war seine ganze Arbeitskraft der Sache 
gewidmet! Keine Sitzung verfehlte er, in fast allen Kommissi 
onen war er thätig, und namentlich die vornehmste Insti 
tution, die Unterstützung, wie leitete er die! wie war er da 
thätig, wie prüfte er jeden Fall liebevoll, gerecht und mild! 
lvie wußte er die Unterstützungsbedürftigen aufzusuchen, daß 
er ihnen Beschämung ersparte! wie wußte er alle Fälle so 
rein, so taktvoll zu behandeln, und wie erreichte er auch 
Alles, was er Gutes erreichen wollte! Wie war er thätig 
im Friedensausschuß, wie hat er jede Differenz, jeden Streit 
im Keim zu ersticken gewußt, daß nichts unseren Frieden, 
unsere Ruhe trüben konnte! Wie war er thätig bei jeder 
einzelnen Arbeit! gab es doch nichts, was nicht zuerst durch 
seine Hände ging, wobei nicht sein Rath angehört, seine An 
sicht gefragt wurde! Und wie war er fürs Ganze thätig, 
wie hat er sich bemüht, um überall die Ueberzeugung durch 
dringen zu lassen, die er als wahr erkannte! Er hat die 
Logen in Cöln, Straßburg, Mainz, Wiesbaden mit gründen
	        

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