Full text: Reden, gehalten bei der Beerdigung des Herrn Ferdinand Gamburg in Frankfurt a. M. am 11. und 15. September 1892

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widmete sich den Kindern, den armen kleinen Waisen und 
stiftete mit ein Waisenhaus. Er kümmerte sich und sorgte 
sich um arme alte Männer und alte Frauen, die im Elend 
nicht sich weiter helfen können, und gründete das Siechen 
haus. Ihm lag das Wohl der Kranken am Herzen, und 
er gründete mit die Anstalten in Soden und Nauheim, er 
kümmerte sich um die allgemeine Armenpflege und wirkte 
im Almosenkasten der Gemeinde Jahre hindurch. Und so 
sorgte er und mühte sich um Alles, was uns nahe geht. 
Er empfand, daß es für die Entwickelung des Juden- 
thums, der sozialen Verhältnisse desselben erforderlich ist, 
daß Handwerk, Landwirthschaft sich verbreitet, und er trat 
in den Handwerkerverein und übernahm dort eine führende 
Stellung. So war es jedes Gebiet der Nächstenliebe, was 
seiner Mitwirkung, seiner Anregung und seiner Hülfe sich 
erfreuen konnte. 
Alles aber wurde bei ihm von der Empfindung ge 
tragen, daß er Jude war. Wir haben es gehört, wenn er 
hier in diesen Räumen sprechen konnte: „Ein Jude bin 
ich!", da flammte sein Ange wärmer und höher auf, das 
war ihm eine Freude und eine Lust, Jude zu sein. Er hatte 
das volle Bewußtsein der Bedeutung dieses Wortes, dieses 
Judenthums. Er wußte, daß das Judenthum Zeiten über 
dauert hat, und daß das Judenthum Zeiten überdauern muß, 
um die Mission zu erfüllen, Träger der sittlichen Gedanken 
für alle Zeiten zu bleiben, durch alle Fährniß der Ge 
schichte hindurch. In diesen allen seinen Empfindungen, in 
dieser aller seiner Erkenntniß genügte er sich nicht. 
Nicht allein selber wissen und selber üben, nein, noch 
viel mehr zeigte er Kraft darin. Andere zu dem zu führen, 
was er als richtig erkannt hatte. Und das übte er mit 
sokratischer Weisheit, er wußte zu den Einzelnen heranzu-
	        

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