Full text: Reden, gehalten bei der Beerdigung des Herrn Ferdinand Gamburg in Frankfurt a. M. am 11. und 15. September 1892

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Wohlstand, Zufriedenheit zu verbreiten sucht? Wirkt der 
nicht mehr als andere, die den Enthusiasmus im Munde 
führen und Leistungen nicht auszuweisen haben? So war 
sein Patriotismus, so war seine Liebe zur Vaterstadt, daß. 
er möglichst viele darin glücklich machen wollte, möglichst 
weit Zufriedenheit verbreiten wollte. Das war sein Ruhm 
und sein Streben. 
Und weiter erkannte er wohl, daß als Gegengewicht des 
Egoismus, des Individualismus, der unsere Zeit- beherrscht, 
ein Anderes mit die Gesellschaft beherrschen muß, das ist 
die Stärkung des geistigen und leiblichen Wohls der weniger 
gut Gestellten, die Ausgleichung, die Sorge für die Schwa 
chen, die Uebung der Nächstenliebe. 
Die Unzufriedenheit, die durch die verschiedenen Ver 
hältnisse, durch die Vertheilung des Besitzes, Reichthümer 
hier, Armuth großer Volksklassen dort, hervorgerufen wird, 
die kann vermindert werden, nicht durch staatliche Maß 
regeln, sie kann es nur, wenn jeder das Seine thut, jeder 
an seinem Platz, jeder, der zu wirken versteht und wirken 
kann, von seiner Stelle aus, wenn jeder mit sorgt und mit 
gibt in der rechten Weise. Dann wird das soziale Uebel 
erheblich verringert werden! So faßte er auch seine Thätig 
keit auf, daß er soziales Elend verringern mußte. Er that 
das Gute mit ganzem Herzen. Ihm war es eine Sache des 
Herzens, er that es, weil er mußte, weil es ihm sein Gemüth 
befahl. Er that es aber auch mit seiner ganzen Seele, ihm 
war es ein Gebot der Vernunft, und er that es mit seinem 
ganzen Können, er stellte sich ganz, der ganze Mann, der 
Menschlichkeit zu Gebot. 
So handelte er, und in welchem Umfange er das thaU 
wir haben es an seinem Grab vernommen. Kein Gebiet 
der Menschenliebe war da, dem er sich nicht widmete. Er
	        

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