Full text: Reden, gehalten bei der Beerdigung des Herrn Ferdinand Gamburg in Frankfurt a. M. am 11. und 15. September 1892

28 — 
Uittpriilidkilt Sr. tifdjteiintimlt Julius PlotKr. 
Meine hochverehrten Freunde, liebe Brüder! 
Wenn wir von Einem, der unserm Herzen nahe steht, 
Abschied nehmen, dann suchen wir noch im letzten Augen 
blick das Bild festzuhalten, das wir lieben. Wir suchen 
mit unserm Auge dann seine Persönlichkeit zu erfassen, wir 
suchen sie uns einzuprägen in unser Herz, und wir sehen 
ihn mit dem Blick des Abschieds so genau, so sicher, wie 
sonst nicht wieder. Wie wir Abschied nehmen mußten von 
unserm lieben, theuren Heimgegangenen, Bruder Ferdinand 
Gamburg, da suchten wir auch diese Abschiedsstunde fest 
zuhalten, sie zu verlängern, immer wieder traten neue Freunde 
an die Bahre, immer wieder kamen aus vollem bewegten 
Herzen und aus beredtem Munde ein Wort der Liebe, ein 
Wort der Zuneigung, der Herzensinnigkeit, um noch die 
Stunde zu verlängern, um sie festzuhalten. Und wir, seine 
Brüder, uns ist die Stunde des Abschieds noch nicht ver 
gangen, wir verlängern sie bis zum jetzigen Augenblick, wir 
halten ihn noch fest. Wir können ihn nicht lassen, uns ist 
er gegenwärtig, uns hier in diesen Hallen, hier sehen wir 
ihn, hier sehen wir sein sprühendes Auge, begeistert, lebhaft, 
voll reicher Gedanken hinblickend, — kündend, was das Herz 
voll bewegte, — zündend in den Augen der Freunde, der Brü 
der! Hier hören wir seine Stimme, wie sie mächtig an 
unsere Herzen klingt, wie sie uns mitreißt, mitbewegt zu
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.