Full text: Reden, gehalten bei der Beerdigung des Herrn Ferdinand Gamburg in Frankfurt a. M. am 11. und 15. September 1892

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seinem Gemüth, dessen Güte und Lauterkeit fast unvergleichlich 
war, seinem Herzen stand ein besonnener Geist zur Hülfe, 
und beide beherrschten mit überlegenem Blick in die Zukunft 
alles, was in ihm glühte, alles, was an Fähigkeiten in ihm 
lebte und sich regte. Alles Wollen und alles Können in ihm 
stand immer bereit zur Verfügung dem regen Geist, der die 
Herrschaft über sich und über Alles in ihm mit mächtiger 
männlicher Hand führte. So wie seine äußere Erscheinung 
war sein inneres Wesen: fest, in einander gefügt, gerade, 
aufrecht und beweglich, so war Alles an ihm und Alles in 
ihm. Die Selbständigkeit in seinen Ueberzeugungen und 
Anschauungen war gepaart mit einer unbegrenzten Duld 
samkeit; aber Ferdinand Gamburgs Duldsamkeit war 
nicht eine Duldung, die der Geduldete als solche empfinden 
konnte, es war nicht eine Duldung, bei der der Gewährende 
ein Opfer brachte, sondern es war jene menschenfreundliche 
liebevolle Anerkennung alles Andern, was er als ehrlichen 
und redlichen Ansdruck innerer Ueberzeugung erkannt hatte. 
Mit schonungslosem, unerschrockenem Freimuth verband er 
die freundlichste Ritterlichkeit und Liebenswürdigkeit, mit 
der vollendeten Männlichkeit eine fast kindliche Lauterkeit 
des Gemüths, mit der weitgehendsten Entfaltung seiner 
Gaben eine fast unberührte Ursprünglichkeit in dem Emp 
finden. 
Das war G am bürg der Mensch, das war G am bürg 
der Freund, das war G am bürg der Jude. Der Jude — 
Trauernde Versammlung! Von Jakob erzählt die heilige 
Schrift, daß er gerungen hat mit einem Sendboten Gottes. 
Er ist von dem Sendboten des Herrn zwar verletzt worden 
an seiner Hüfte, aber besiegt ist er nicht von ihm worden, 
er hat gesiegt, Jakob, darum erhielt er den Namen 
Israel. Das ist das Vorbild für den Israeliten, das ist
	        

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