Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

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‚Ebenmässige treue Warnung ist von Herrn Thyllio, Oberschult- 
heissen im Bücherthal, welcher dem Convent beiwohnte, im Namen der 
gnädigen Hohen Landes -Obrigkeit allen Kirchendienern insgemein ge- 
schehen, sie wollen sich doch wol vor Trunkenheit hüten, sintemalen 
das nit allein wider Gottes Wort, sondern auch allenthalben gewisse 
Leute bestellet wären, die auf solche excess und dergleichen andere 
Sachen fleissige Acht und Aufsicht haben sollen. 
Auf dem Convent zu Kesselstadt am 9. 8. 1641, wo Inspector 
Oraeus, wie oben erwähnt, censuriert wurde, begehrte man an Hen- 
ningio, Pfarrern zu Hanau, dass er ebenmässig der Kürze in den Wo- 
chenpredigten sich wollte befleissigen. Auch wurde er darum angesehen, 
dass er mit den politicis (ist aber nicht gesagt, mit welchen) so sehr 
umgehe, und da er sich entschuldiget und, welche es wären, wollte 
wissen, hat man ihm keinen benennen wollen oder können. 
An Reuserum, Pfarrherrn zu Rüdigheim, geschah eine Vermahnung, 
dass er wol fleissiger sein könnte in seinem Studieren und in Verrich- 
tung seines Amts, wenn er nur wollte, sintemal ihm Gott schöne Gaben 
hätte gegeben, die er besser inskünftige sollte anlegen, sed summa 
paupertas impedit hunc bonum virum et pium hominem quam propter 
ut ipsi succuratur, fratres petunt. 
Sartorius zu Wachenbuchen wird ermahnt zum fleissigen Lesen 
und zur Langsamkeit des Redens in den Predigten. 
Palthenius von Rodenbach hingegen ist vermahnt worden, dass er 
unsere Theologos ihm gemein sollte machen und fleissig dieselben lesen, 
die Kinderlehr, so er bisher unterlassen, halten mit Alten und Jungen, 
und mit der excommunication nicht mehr ohne erhebliche Ursachen 
seinen Zuhörern drohen, desgleichen weilen er zu uns jüngsthin getreten, 
dass er die lutherischen caerimonien, sonderlich Entblössung seines 
Hauptes, unterlasse, damit nicht dasselbige, was sonst einem jeden 
Christen freisteht, zu einem notwendigen unvermeidlichen Ding gebracht 
und gemacht mögt werden, so durch ihn gar leicht geschehen könnte. 
Riccius, Pfarrherr zu Bruchköbel, aber ward vermahnt, keine unge- 
bräuchlichen und hochtrabenden Wort im Eingang seiner Predigten 
inskünftige anzuwenden, desgleichen sich mit den Weltlichen und dem 
Tabakstrinken nicht soxar zu befreunden und neben der Catechisation 
auch Katechismuspredigten zu halten. Und als er sich entschuldiget, 
dass er lieber seinen Dienstwein hergeben wolle als das Tabaktrinken 
lassen, auch, so allen Fratribus neben der Catechisation auch Katechis- 
muspredigten injungiert würden, zugesagt hat, auch mit Treu, Ernst, 
Eifer und Fleiss durch die Gnade Gottes solche Katechismuspredigten 
verrichten zu wollen, und desto mehr wenn ihm eine Pfarrbehausung 
in loco gebauet und er der Läufe geledigt würde, also ist das erste 
gefallen und das andere in höher Bedenken gezogen worden. 
Der Pfarrer zu Hochstadt, Joh. Cressius, ist vom Convent am 5. 
2, 1657 wegen des Lebens propter nimiam liberalitatem, hospitalitatem 
activam et passivam et familiaritatem, quam ipse confitetur, freundlich 
und brüderlich bedeutet worden.
	        
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