Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

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Zu Mittelbuchen anno 1615 wird von den Leuten sehr geklagt, 
dass der Schulmeister, der zugleich Büttel und Unterschultheiss ist, wenig 
Fleiss auf die Schule verwende. Er laufe lieber zu seinen Gütern und 
nach Hanau, treibe sein Schulamt nur so nebenher, 
Am 3. 3. 1642 aber ereignete sich gelegentlich des daselbst ab- 
gehaltenen Conventes folgendes höchst lächerliche Factum. Als die 
Schulkommission gegen die Schule vorrückte, um daselbsten die pro- 
fectus discipulorum zu erkundigen, haben die 3 Fratres nur 3 Söhne 
und 5 Töchter zur Stelle finden können, die übrigen haben die Flucht 
ergriffen und sind aufs Feld gelaufen. Daraus denn des praeceptoris 
schlechte und’ allzugelinde disciplin und der Schüler Ungehorsam ver- 
spüret wurde. Die 3 vorgefundenen Knaben haben wol lesen, auch die 
kleinen catechismi Fragen auswendig hersagen können, auch etwas aus 
dem mittelmässigen Catechesmo gewusst. Die 5 Mädchen haben syl- 
labiert und die: 3 Hauptstücke der christlichen Religion fein gebetet. — 
Jedenfalls war das ein gutes und anerkennenswertes Resultat der gegen” 
wärtigen Schulprüfung. 
Ab und zu und namentlich im Fortschritt der Zeit und der uner- 
müdlichen Conventsarbeit wird nämlich bald hier bald dort auch des 
Schuldieners Fleiss gelobt. Schon zu Altenhasel wird demselben nach- 
gerühmt, er habe sich, obwol er hiebevor mangelhaftig gewesen, doch 
bisher merklich und wol gebessert (1614). Zu gleicher Zeit wird die 
Schuljugend zu Bruchköbel ziemlicher massen befunden, ebenso zu Kes- 
selstadt und Dörnikheim. Desto betrübender gestalten sich die dortigen 
Schulzustände im Jahre 1632. Die Kesselstädter verwahrlosen ihre Kinder 
schändlich.. Statt. sie zur Schule‘ zu schicken, lassen. sie dieselben in 
otio et petulantia auf der Gassen umbherlaufen. 
Schulmeister zu Dörnikheim Petrus Pistorius ist erinnert worden, 
ob er etwan Ursach gebe, dass ihm Niemand wolle Kinder schicken, 
ob er etwan zuviel aufstolziere oder dem Weintrinken nachlaufe, wie 
man wol allerlei vernommen habe. Sagt: nein, dafür sollte ihn Gott 
behüten! Ist ihm anbefohlen worden, dass er diejenige Kinder, so zur 
Schul tüchtig und doch den ganzen Tag auf der Gasssn umherlaufen, 
sollte aufzeichnen, damit das Presbyterium beneben dem Schultheissen 
solche raben Eltern wisse vorzunehmen. Weil er auch beim Todtschlag 
gewesen, der neulich zwischen Kestadt und Dörnikheim begangen wor- 
den, hat man ihm zugeredt, ob er etwan mitgezankt und sein Gewissen 
beladen, ob er sich mit unterstanden hätte, solche bösen Sachen nach 
Vermögen abzuwehren? Entschuldigt sich aber zum allerhöchsten, da- 
rauf er ist dimittieret worden, 
Die Kesselstädter Seniores repetieren die alte Klag de praeceptore, 
er wohne nit bei ihnen, sondern zu Hanau, sei auch mehr bei der 
Edelfraw von Lautern in ihren Dienstgeschäften und Haushaltung (er 
war wol deren Lakai?!), als bei den Schulknaben. Der Schul- 
meister entschuldigt sich damit, dass er in dem ruinierten Schulhaus 
nicht wohnen könne. er halte alle Tage seine gewissen Stunden, hoffe
	        

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