Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

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schändlichen‘ Misbrauch selbst Teil gehabt oder auch nur zugegeben 
haben, dass solches von Vorstehern und Kirchenältesten vorgenommen 
werden möge, ein solches nicht nur alles Ernstes hierdurch verwiesen 
und sonach nachdrucksamst gewarnt, solcher schändlichen und ihr Amt 
höchst entehrenden Handlung sich bei Vermeidung harter Strafe und 
nach Befinden förmlicher Entsetzung ihres Amts nie wieder zu Schulden 
kommen zu lassen; sondern es wird hiermit überhaupt und für die Zu- 
kunft alle Gelegenheit zu solchen schändlichen Vergehungen abzuschei- 
den, verordnet und befohlen, dass hinkünftig nicht mehr Wein als nach 
dem pflichtmässigen Ermessen der Prediger zum hl. Abendmal nötig ist, 
angekauft werden und in Rechnung passieren solle, aller bei Commu- 
nionen aber übrig verbleibende Wein nebst dem Brod nicht mehr, wie 
bisher geschehen ist, dem Prediger, Schulmeister oder Aeltesten zum 
Genuss heimfallen, sondern Beides, Brod und Wein, jedesmal unter die 
Armen des Orts ausgeteilt werden sollen. 
Decretum. 
Hanau, den 28, Junius 1786. 
Refor. Consistorium daselbst 
gez. Ihm. 
ordt. Bramerell. 
Man sollte es nicht für möglich‘ halten, dass gegen eine solche 
Verfügung remonstriert worden wäre, und doch geschah es von verschie- 
denen Seiten unter dem Vorgeben, dass nicht an allen Orten jederzeit 
Arme vorhanden seien, auch die Austeilung des übrig gebliebenen Bro- 
des und Weines unter solche nicht jedesmal tunlich sein wolle. Man 
bat, es bei der seitherigen Observanz zu belassen. Einige der Prediger 
hatten es sich sogar beigehen lassen, das Circularschreiben des Con- 
sistoriums in dieser Sache mit ordnungs- und respektswidrigen Anmer- 
kungen zu versehen. 
Es wird dies denselben ernstlich verwiesen. Sie sollen sich der- 
gleichen hinführo nicht mehr unterfangen bei unausbleiblicher nachdruck- 
samer Ahndung. 
Es war hohe Zeit, dass Gott der Herr selbst einmal wieder die 
Visitation seiner Kirche in die Hand nahm, und nicht blos im Hanaui- 
schen, sondern im ganzen weiten deutschen Lande und weit über dessen 
Grenzen hinaus. 
Die alten ehrwürdigen Herren Inspectoren haben in ihrem engbe- 
grenzten Wirkungskreise ehrlich und redlich getan, was sie konnten, 
und an gleichgesinnten Geistern in der Nähe und in der Ferne hat es 
nicht gefehlt, selbst in den dunkelsten Zeiten der Kirchengeschichte 
niemals ganz und gar; aber Menschen haben den Kuin, die Dürre, die
	        

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