Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

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den äussern Wolstand in Ansehung einer ihrem Stande anständigen 
Kleidung zu sehen. — Nachdem aber seit einiger Zeit wahrzunehmen 
gewesen, dass verschiedene junge Prediger sich in einer solchen Tracht, 
deren sich nur weltliche Bedienten und sonstige junge Leute bedienen 
können, als der über die Stirne hangenden geschnittenen Haaren, runden 
unaufgeschlagenen Hüten, allzumodischen Prae-gilets und allzugrossen 
Schuhschnallen, oder andern unschicklichen Kleidungsstücken, besonders 
auch von unschicklichen Farben (zeisiggrün, pfirsigblüthfarben ?!) kleiden, 
solches aber für einen Prediger höchst unanständig ist, — so haben wir 
denselben hierdurch alles Ernstes weiter aufgegeben, sich sothaner un- 
anständiger Tracht völlig zu enthalten und keiner anderen als als ihrem 
Predigerstand anständigen Kleidung zu bedienen. 
Fürstl. Ev. Reform. Consistorium 
gez. Ihm. 
ref, Bramerell. 
Tiefere Blicke in den Jammer der Würdelosigkeit in kirchlichen 
Dingen, einer: Würdelosigkeit, die ganz dazu angetan ist, uns noch nach- 
träglich mit tiefster Betrübnis und Scham zu erfüllen, eröffnet uns ein 
ebenfalls auf die Initiative des Inspector Merz zurückzuführendes Gene- 
rale der kirchlichen Oberbehörde wegen der bei der heiligen Commu- 
nion übrig gebliebenen Elemente. 
Es folge hier : 
Es ist diesem Collegium durch Herr Inspector und Co.-Rath Merz 
dahier unter dem 23. cur. die berichtl. Anzeige geschehen, wie der- 
selbe bei Abhör der diesjährigen Kirchbaurechnungen bemerkt habe, 
dass an einigen Orten gar zu viel für Wein bei dem hlig. Abendmal 
verrechnet werde, und nachdem er diesseits genauer nachgeforschet, 
man ihm endlich gestanden habe, wie in vielen Orten im Lande der 
äusserst anstössige und die Religion sowie das Ansehn der Geistlichkeit 
entehrende Misbrauch eingeschlichen sei, dass Prediger und Aeltesten der 
Kirchen sich beikommen liessen, den bei ihrer Communion übrig bleibenden 
Wein nicht nur gemeinschaftlich mit dem Schulmeister zu verzehren, 
sondern dass einige zur Schande der Christenheit‘ sich soweit vergessen 
können, solchen annoch vor dem Ausgang der Kirchen sogar bei dem 
Altar, daselbst aus dem Kelch und oftmals annoch unter heftigem Zank 
und Streit, wenn etwa einer mehr als der andere getrunken hätte, zu 
sich zu nehmen. 
Gleichwie aber ein solches anstössige Benehmen und von den 
Predigern sich kaum zu denken stehender Misbrauch dem Consistorium 
allerdings zum äussersten Misfallen notwendig gereichen müssen, und 
dasselbe daher diesem Unfug von Pflichts- und Amtswegen nachdrück- 
lichst zu steuern sich gemüssigt siehet, als wird vorerst sämmtlichen 
unter diesem Collegium stehenden Predigern. welche entweder an diesem
	        

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