Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

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an die Kosten eines festlichen Zusammenseins denken zu müssen, Der 
Tag der gewöhnlich alle 3 Jahre wiederkehrenden Kirchenvisitation 
war wol für die meisten Pfarrhäuser auf dem Lande so ziemlich der 
einzige Festtag, abgesehen von den allgemeinen Festen und Feiertagen 
des Kirchenjahres, der die einförmige und eintönige Anfeinanderfolge 
ihrer Tage ahnungsvoll unterbrach, sie dem Gefühl der Vereinsamung 
auf kurze Zeit enthob und dem grossen Ganzen in einigen weihevollen 
Stunden näher rückte. Es war deshalb im allgemeinen ganz natürlich, 
dass es sich die Pfarrerfamilien nun einmal nicht nehmen liessen, die 
Bewirtung des bei ihnen einkehrenden Superintendenten aus gutem Her- 
zen und bestmöglichst zu bewirken. Im Grunde werden die Hochwür- 
digen Herren auch nichts dagegen gehabt haben, wenn sie sehen durften, 
wie Liebe und Freundlichkeit ihnen den Tisch deckte, sieht sich doch 
selbst Endemann in einem seiner Circularschreiben zur bevorstehenden 
Kirchenvisitation bemüssigt, etwaigen Missverständnissen behutsam vor- 
zubauen, indem er bemerkt, er wolle Niemanden vorschreiben, wie er 
bei dieser Gelegenheit seinen Tisch einzurichten gedenke, und er wie 
Schiede und Grimm alle sammt und sonders sind am Ende voll 
herzlichen Dankes für alle auf ihren Visitationsreisen genossene Liebe 
und Freundschaft. — Zu den Zeiten des Inspector Merz scheint aber 
allerdings Gefahr vorhanden gewesen zu sein, über Nebendingen die 
Hauptsache bei der Kirchenvisitation hintanzusetzen. 
Wie wenig Manche seiner Pfarrer geneigt waren, sich durch sein 
Auftreten anregen zu lassen, sich in ihre pastoralen Aufgaben zu ver- 
tiefen, das zu erfahren hat Inspector Merz Gelegenheit genug gehabt. 
Da ist Einer, dem er die Anerkennung nicht versagen kann, auf dem 
Gebiete des Schulwesens mit Erfolg tätig gewesen zu sein, aber von 
seiner Wirksamkeit als Pfarrer ist positiv rein nichts zu vermelden. 
Während die Prespiterial-Protokolle zur Zeit seiner Amtsvorgänger und 
zwei Jahrhunderte hindurch -allezeit ein treuer Spiegel und ein beredter 
Verkündiger der religiös-sittlichen Zustände in seiner, einer in jeder Hin- 
sicht hervorragenden Gemeinde gewesen sind, weiss er selbst die ganze 
Zeit seiner Amtsdauer hindurch, 23 lange Jahre, nichts von Belang hin- 
sichtlich derselben zu berichten. 
Die Presbyterial - Protokolle sind unter seiner Hand zum Ööden, 
nichtssagenden Stuhlbuch und Fornikanten-Register geworden, Der kalte 
Hauch des Todes weht uns auf jeder Seite entgegen. 
Und als es mit ihm selbst zum Sterben gekommen ist, da sollte 
man nicht meinen, der Mann hätte einmal eine Visitationspredigt zu 
halten gehabt über die Worte Eph. 1, 7 und Phil. 3, 20 u. 21: Unser 
Wandel ist im Himmel, von dannen wir auch erwarten des Heilandes 
Jesu Christi, ‚des Herrn, welcher unsern nichtigen Leib verklären wird, 
dass er ähnlich werde seinem verklärten Leibe nach der Wirkung, damit 
er kann auch alle Dinge ihm untertänig machen, — er lässt sich näm- 
lich bei Nacht und Nebel in der Stille einscharren (am 8. 4. 1800 
Abends 5 Uhr), als wäre er ein Selbstmörder, ein Missethäter gewesen.
	        

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