Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

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Hochwohlehrwürdige und Hochgelehrte, Hochzuverehrende 
Herrn Pfarrer und Wertheste Brüder! 
Gleichwie derjenige, in dessen Hause ein köstlich Kleinod ver- 
borgen ist, darüber kein Vergnügen empfindet noch solches gebrauchen 
kann, solange derselbe nicht weiss, dass er einen Schatz besitzt, also 
kann auch der Mensch, welcher Busse gethan ‚und Christum im Glauben 
angenommen hat, desswegen Gottes Gnade, Vergebung der Sünden, 
Schutz und Segen auf allen seinen Wegen und endlich selige Unsterblichkeit 
hoffen darf, dennoch sich über so schätzbare Vorrechte nicht freuen, 
Gott nicht dafür danken, noch sich damit in vorkommenden Versuchungen 
trösten, solange er sich nicht bewusst ist, dass er sie erlanget hat. Ja 
der Mangel dieses wichtigen Theils der Selbsterkenntniss macht, dass 
Gottes Kinder, welche gerechte Freude haben könnten, zuweilen die 
Angst der Gottlosen empfinden. 
Wer aber mit einem Paulus sagen kann „ich weiss an wen ich 
glaube und bin gewiss, dass er mir meine Beilage bewahren wird bis 
an jenen Tag“ der geniesset eine überschwängliche Freude, ist muthig 
in allen Gefahren, auch selbst im Tod getrost, der danket Gott mit 
freudiger Seele für die Barmherzigkeit, die er ihm durch Christum erzeigt 
hat, gehet weiter fort auf denen Wegen, die ihm die Vorsehung anweiset 
und kommt endlich zum Ziel, welches vorhält die himmlische Berufung 
in Christo. Meine Brüder, wir haben solchen Trost, solche Aufmunterung 
nöthig sowohl für uns selbst als für andere, damit wir nicht verzagen, 
wenn wir sündigen, wenn Unglück auf uns losstürmet, wenn wir schen, 
dass die Apostel des Satans, die Unglauben und Laster Prediger, so 
grossen Schaden bei der Heerde Jesu verursachen, wenn wir andere 
trösten und aufrichten wollen. 
Derowegen kann es uns nicht anders als angenehm und nützlich 
sein, wenn wir Gelegenheit finden, die sehr praktische Lehre, dass der 
Christ. sich seines Gnadenstandes bewusst sein könne und solle, aber- 
mals durchzudenken. 
In der 20. Dekade unserer Thesium kommen zweimal vor de 
constantia und de certitudine salutis. Die erste ist bei dem letzten 
Convent abgehandelt worden, die letzte soll uns also bei dem nächst- 
künftigen Convent beschäftigen und erbauen. 
Es wird aber derselbe, geliebts Gott, den 21, August in Hanau 
gehalten werden. Herr Pfarrer Müller aus Bleichenbach wird die sehr 
nützliche und tröstliche Lehre vortragen, und zwar nach Anlass der 
Worte Pauli Röm. 8, 16, auch wie gewöhnlich 3 schemata Latina seiner 
Predigt spätest den nächsten Samstag vorher an mich einschicken. 
Ohne Zweifel wird uns Heır Pfarrer Müller nicht nur das 
Gewöhnliche sagen, dass nämlich der Christ seines Gnadenstandes gewiss 
sein könne und solle, sondern auch was Gott und was der Christ selbst 
A 
+
	        

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