Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

nn Wem 
es immer weiter zu bringen, sondern auch durch ‚einen ‚wohlgesitteten 
frommen und gottseligen Lebenswandel andern ein gutes Exempel zu 
geben, mit der ernstlichen Verwarnung, dass diejenigen, so hiergegen 
handeln, sich im Predigen vernachlässigen und andern ein böses Exem- 
pel geben, auch den äussern Wolstand so weit aus den Augen setzen, 
dass sic zumalen in hiesiger Residenz in einer der Würde des Orts und 
ihres Standes ganz unangemessenen Weise unreinlich und in unanstän- 
diger Kleidung erscheinen, nach Verdienst und anderen zum Exempel 
gestraft werden sollen. . Einem Erlass, derselben Behörde vom 27. 9. 
1773 liegen wiederholte Klagen zu Grunde über das gar schlechte 
Predigen verschiedener Prediger auf dem Lande und deren Aufführung 
sowohl in als ausser ihrem Wohnort und namentlich wenn dieselben in 
hiesige Residenz kommen. Solche Klagen sind selbst bis zu den Ohren 
Serenissimi gedrungen. Es wird dies sämmtlichen. reformierten Predigern 
mitgetheilt mit dem Bedeuten, dass man auf jeden derselben genau in- 
vigilieren und gegen schuldig Befundene mit aller Strenge verfahren 
werde. Endlich wird durch Consistorialverfügung vom 21. 6. 1786 
der reformierten Geistlichkeit eröffnet, es sei beim Consistorium die 
Anzeige geschehen, als sollten Verschiedene unter den Predigern dieser 
Grafschaft den ihnen obliegenden Gottesdienst oftmals ohne erhebliche 
Ursachen und aus blosser Gemächlichkeit durch den Schulmeister halten 
lassen, auch mit andern Predigern an den benachbarten Orten um- 
wechseln. 
Solche Dienstnachlässigkeit soll schlechterdings nicht weiter nach- 
gesehen werden. Der Schullehrer soll niemals ‚als in Krankheitsfällen 
oder sonst legalen Verhinderungen — und wenn sie in solchen Fällen 
keine Candidaten bekommen können, den Gottesdienst für sie halten. 
Die Pfarrer sollen so oft es ihre Amtspflicht erfordert selber predigen 
und nicht aus Gemächlichkeit mit einem andern Prediger umwechseln, 
bei Androhung nachdrücklicher Ahndung. 
Schiede hatte sehr Recht, die Bereisung seiner Diöcese von 
Pfarrei zu Pfarrei in regelmässig wiederkehrenden Zeiträumen, um überall 
nach dem Rechten zu sehen, für das weitaus wichtigste Stück seiner 
Obliegenheiten als Inspector der Hanauer reformierten Kirche anzusehen. 
Unsere Akten setzen uns in den Stand, eine solche Visitationsreise 
Schiedes von Hanau aus bis an die äussersten Enden der Obergraf- 
schaft im Geiste mitzumachen. Es gereicht mir zum besonderen Ver- 
gnügen, im Namen unseres hochverehrten Gönners, des hochwürdigen 
Herrn Inspectors, Sie zu derselbigen hiermit einzuladen. Dieselbe soll 
ungefähr 4 Wochen, nämlich die Zeit vom 23. April bis zum 24. Mai 
1773, in Anspruch nehmen. Sie ist durch Circularschreiben vom 12. 4. 
ejusdem zuvor angegündigt worden. 
u u Anmerkung: Hinsichtlich der Beförderung der Superintendenten — der 
lutherischen sowohl als der reformierten — auf ihren Visitationsreisen bestanden 
ziemlich verwickelte Bestimmungen. Entweder die Geweinden holten ihn zur 
Frohnde ab, oder die Pferde wurden auf Kosten der Kirchenkasse gestellt oder 
die Fuhrkosten wurden aus der Gemeindekasse bestritten, wie zu Bieber. Am
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.