Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

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teils durch der Eltern Nachlässigkeit, teils durch Schläfrigkeit im Pfarr- 
und Schulamt, teils und meistens der Jugend ungezäumbte Bosheit ge- 
raten, meines Ambts aber ist darauf zu sehen, und bei den Visitationen 
danach zu fragen, mithin den Zustand der Kirchen und Schulen und 
darinnen vorkommende Aergerniss Sr. Hochf. Durchl., wie mir gnä- 
digst befohlen ist, untertänigst anzeigen muss. — So habe nachstehendes, 
so aller Orten in das Kirchenprotokoll einzutragen, in pleno presbyterio 
in Gegenwart des Schullehrers abzulesen, demselben auch Copie davon 
zu geben, darüber steif und fest zu halten und was es gefruchtet, bei 
der künftigen Visitation schuldigst und gewissenhaft zu berichten ist, 
überschicken wollen, 
Nemlich ers/Zch soll in allen Stücken in Kirchen und Schulen 
nach der Kirchen- und Schul-Ordnung die Jugend in Ordnung gehalten, 
vom Herrn Pfarrer darauf gesehen und vom Schulmeister alle Presby- 
terial-Tage ein. Verzeichniss der Unordnungen schriftlich zur Remedur 
dem Herrn Pfarrer und Presbyteris übergeben werden. 
Deswegen soll die Jugend zwertens besser zu den Kirchen und 
Schulen angehalten werden, da leider an den ‚mehrsten Orten die Ju- 
gend selbst im Winter wenig zur Schul und an einigen Orten die mehr- 
sten kaum 5 oder 6 Wochen hinein kommen, ja selbst auf Sonn- und 
Festtage an etlichen Orten, da 40 bis 50 Kinder in die Kirch kommen 
könnten, kaum 2, 3 bis 6 derselben erscheinen. Der Schulmeister soll 
deshalben ein Register der ausbleibenden halten, dem presbyterio über- 
geben und nachgehends bei der Visitation mir überreichen, damit die 
Aergernüss auch hierinnen geahndet werde. 
Drittens: Da dem Vernehmen nach an vielen Orten sowol vor der 
Früh- als Nachmittags-Kirche die unbändige Jugend auf der Gasse ihrem 
Kinderspiel, e. gr. Klickern etc. häufig nachgehet, ja auch unter der 
Predigt und Gottesdienst dieses Spiel treiben und selbst vor den Kir- 
chenfenstern derwegen einen allarm machen sollen, dass man den Pfarrer 
auf der Kanzel kaum hören und verstehen kann, | so soll die Jugend 
vor dem Gottesdienst im Schulhaus versammelt und unter der Aufsicht 
des Schulmeisters still zur Kirche geführt, das Spielen aber unter dem 
Gottesdienst keineswegs geduldet, sondern auch durch Obrigkeitl. Hülfe 
gesteuert werden. 
Viertens: Diejenige Kinder aber, die sich in der Kirch einfinden, 
sollen fleissig zuhören, den Text und ein oder andern Spruch behalten, 
und nachmals in der Schul oder ihren Eltern hersagen und also die 
Zeit über in der Kirch nicht miteinader plaudern, weniger Obst und 
Nüss scheelen und essen, am wenigsten aber Mutwillen und Veppigkeit 
treiben und lachen oder ein Gelächter, womit es auch geschehen möge, 
verursachen, welches alles besonders der Schulmeister notieren und be- 
Strafen oder denen Eltern, die ihrige deswegen ernstlich zu strafen, 
anzeigen soll, 
Fünftens: Unter dem Geläut soll alles still und andächtig, ohne 
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