Full text: Geschichte der Kirchenvisitationen der Hanauer ev. reformierten Kirche im 18. Jahrhundert, dazu: Geschichtliche Abhandlung über die Hanauer Quartal-Convente im 17. Jahrhundert

10 
Predigten danach einrichte, ob er die Laster strafe, ob er sein Strafamt 
etwa zur Ausübung seiner passionen. und affecten misbrauche, wie er 
die catechumenos ad S. coenam konfirmiere und ob es öffentlich vor 
der Gemeinde oder dem presbyterio geschehe, ob er die Schul wöchent- 
lich einmal allein und monatlich in Gesellschaft eines oder zweier Ael- 
testen besuche, ob er in seinem Leben sich als ein Vorbild der Heerde 
exemplarisch und ohne Aergernis aufführe, ob er friedlich, nüchteın 
und mässig lebe, ob er eine gottselige Haushaltung führe, wie er sich 
mit seinem Eheweib begebe, ob er seine Kinder in der Demut, Mässig- 
keit, Friedfertigkeit, Gottesfurcht und Ehrbarkeit Christlich erziehe, ob 
er seine Predigten concipiere und von denen letztgehaltenen aufweisen 
könne, ob die sogenannte Sabbaths-Ordnung jährlich Dom. 17. p. Tr, 
abgelesen und darüber gehalten werde etc. 
IH. Vom Schulmeister : 
Wie ‚er sein Ambt tue, ob er etwa dem Trunk ergeben, cin 
Zänker und Spieler sei, ob er ohne Erlaubnis verreise, ob er zu streng 
oder zu gelinde sei, ob der Schulmeister bei der Schulvisite dem Herrn 
Pfarrer in guten Erinnerungen folge, ob er auch eine besondere Mägd- 
lein Schul halte, 
IV. Von den Kirchen-Eltesten : 
etc. etc. 
V. Von den Kirchenrügern: 
etc. etc. 
VI. Von der Gemeinde: 
Ob etwa Leute in der Gemeinde seien, die Gottes Wort gering 
achten, nicht zur Versammlung kommen, noch zum heiligen Abendmal 
gehen, ob des Herrn Tag mit Saufen, Spielen und andern Ueppigkeiten 
etwa entheiligt werde, ob etwa in der Gemeinde sonst Aergernis mit 
Aberglauben, Segensprechen, Saufen, Spielen, Fluchen, unzüchtigen 
Werken, wie sonderlich zur Winterszeit an etlichen Orten bei denen 
Spinnstuben geschehen soll, vorgehen, ob etwa Eltern in der Gemeinde, 
die ikre Kinder nicht zur Kirche, Schule und Gottesdienst anhalten, ob 
Eheleute in der Gemeinde uneinig leben, ob alle Zuhörer in ihren Häusern 
Bibeln haben, ob sie oft vermahnet werden, die Heilige Schrift und sonst 
erbauliche. Bücher zu Haus zu lesen u. 8. w. 
Die letzten Punkte des wichtigen Consistörial-Ausschreibens handeln: 
Vil. Von den kirchlichen Gebäuden. 
Vill. Von den Kirchengefällen, von Almosen und sonstigen Sachen. 
Aus diesen beiden umfangs- und inhaltsreichen Aktenstücken ist 
zur Genüge zu ersehen, wie hoch Grimm das Institut der periodischen 
Kirchenvisitationen angeschlagen haben muss. * 
Noch wichtiger aber als alle Visitationen, als alle von Zeit zu 
Zeit wiederkehrenden persönlichen Bereisungen seiner Diöcese erschien 
ihm die unausgesetzte, fortwährende wissenschaftliche Anregung seiner 
Diöcesan-Geistlichkeit. indem er der Ansicht gewesen sein wird, eine
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.