Full text: Friedrich Wilhelm August Murhard

Das Wohl, das wir Privatwohl nennen, will der Staat nicht schaf- 
ten, das soll der Bürger selbst sich schaffen"(ebd.279);auf dem 
Wege der verwirklichten Rechtsidee wird jedoch in der kraftvol- 
len Entwicklung eines sinnlich-vernünftigen Lebens ein Sffentliche 
Bürgertum erstehen (ebd.157-59),und „die vor allem vom Staate zu 
lösende Aufgabe ist daher,auf dem einfachsten Wege und wkak mit 
ANKRÄHENNNAMÖNIIERBEKKEYINKEX Ausübung möglichst geringer Nittel, 
mit mindester Beschränkung der natürlichen Freiheit,deren Miss- 
brauch überall zu verhüten, einen Zustand der Dinge hervorzuru- 
fen, wo die Freiheitssphäre jedes EZinzelnen neben der aller 
Uebrigen und so umgekehrt bestehen könne, Die äussere Freiheit. 
steht übrigene mit der imeren 8sittlichen in steter gegenseitiger 
Beziehung und Wechselwirkung und je zrüsser diese ist, umso weni- 
ger bedarf jene Beschränkung" (ebd.276), | 
/ 50 stellt sich ihm der Staat dar, Ist „Genuss des Da- 
seins nach allen seinen Tendenzen unter ethischen Gesetzen, Ent- 
wicklung unserer physischen und psychischen Anlagen der lauten 
Stimme unserer Vernunft gemärs einzig der wahre und offene Zweck 
unseres Lebens” (Zw,d.5t,.320),/ 80 lässt sich „aus dem Begriffe 
eines’ moralischen Systems der menschlichen Zwecke dann auch die 
politische Teleologie bestimmen (ebd,.360),und der Staat wird „eir 
nützliches und höchst wünschenswertes Gut für alle menschlichen 
Zwecke,welche ohne dessen Hilfe nicht so vollkommen und nicht so 
leicht erreicht werden können" (ebd,361).Damit ist der Staat mit 
seinem Kndzweck einem höheren Begriff untergeordnet, dem der 
menschlichen Gesellschaft, Ist im Staäate Kultur zur Yreiheit,de- 
ren Entsprechendes im Rechte gemeinsamer humanitärer Gesetzgebung 
und Ordnung aller Beteiligten liegt, mit dem Bestreben im End- 
zweck des Ganzen den jedes Finzelnen zu fördern (ebd,.281—-3),s0 
bleibt bei aller noch so idealistisch-freien Organisation für den 
Staat doch stets charakteristisch die” Unterordnung des EZinz-elnen 
unter den Gemeinwillen. Wie der Mensch niemals und vor allem sein 
geist1ge Natur einer menschlichen Einrichtung gänz und gar hin- 
geben darf und kann, so gehört er zwar durch den ütaat, aber doch 
weit über seinen Rahmen der bürgerlichen Gesellschaft Ainaus jene 
menschlichen Gesellschaft an,deren Grenzlinien zu ziehen sehr 
Schwer,äderen Wesen aber unleugbar ist, und deren Verhältnisse 
ungleich freierer und doch auch geheimerer Natur sind, „Das Höch- 
ste und Beste aber, was die Gesellschaft geuähren kann Enpfindume 
gen und Gedanken und die durch deren Ähnlichkeit und Mitteilung 
geknüpften Verhältnisse, Wügsche, Sorgen und Hoffnungen, eine 
emeinschaft des Geistes und Herzens, welche über das bürgerli- 
che Leben weit hinausreicht, alles alles gelangt kaum zur oOber- 
flächlichen Kunde des Staates: es wächst und gedeiht vielmehr mau 
in heiliger Stille der rein menschlichen Beziehungen" (004.392). 
30 ist der Staat nur die schützende „Hülle der menschlichen & 
sellschaft"(ebad.j aber „dis Sache des Staates wird auf diese 
Meise die Sache der Menschheit,und eins jode Frame der Politik 
auch zuzleich zu einer Aufgabe der Moral" (ebd,.405). 
Gemäss solchen AS CH aWE und solcher Zwecksetzung 
des Staates gehen auch Murhards Meinungen über die verschiedenen 
Staatsformen in bestimnter Richtung. Dabei drängen sich bei aller 
Willen zu rationalistisch-theoretischer Zrwägung und Abwägung 
aie Erfah rzungstatgarNen des eigenen Erlebens nalurgemäss vor, 
ınd wenn. für die ganze Sana l1e9 Art politisch-staatsrechtlicher 
Bette chi die negative Kritik hauptsächlichen Bestandteil &us- 
macht, so läuft "die Det schtung der Staatsform in nd 
auf eine UnDOAinEto Ablehnung des absolutistische-monofraischen 
Staates hinaus, Das ist für Murhard von jeher der verhängnisvol- 
le Irrtum gewesen,dass man in der an und für sich richtigen und 
an der Idee des Staaues gewonnenen Auffassung von der Einheit dez 
Staatsgewalt die einfachste Verfassung für die beste und diese 
Forderung durch den, Absolutismus.am vorzüglichsten erfüllt gehn 
ten hat, Aber man hät aben nicht die Natur des Menschen in Rech- 
nung geSetztg und die Vereinfachungstendsnz der Staatsmaschine 
zerstörte alle WARNEN der Natkon, Üie moralischen wie 
iie physischen, und „der Regierungen stolzer Gang glich einem
	        

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