Full text: Friedrich Wilhelm August Murhard

brach der Julirevolution hatten und selbst in den Herzen der _ 
überzeugtebten Anhänger des Fortschritteglaubens Stimmungen trüb- 
ter Verzweiflung einziehen liessen, / 
Es erscheint selbstverständlich,dass einem alten politi- 
schen Publizisten wie Murhard die neue freie Luft des öffentliche: 
Lebens eine Triebkraft höchstgesteigerter literarischer Tätigkeit 
werden musste, In der Tat sind denn auch in den zwei Jahren nach 
der Julirevolution beinahe ein Dutzend Bücher von ihm erschienen, 
bei deren Umfang freilich die an einigen schon für die 20er Jahre 
nachweisbaren Vorarbeiten meist erledigt xmwxEaRzk vorgelegen haben 
müssen, Um sich ganz der literarisch-publizistischen Wirksamkeit 
hingeben zu können, schlug ef ein angetragenes Vandat für die kur- 
hessische Ständeverfassung aus (Br.a,Cotta 10.12.1831); desto reger 
gestalteten gich seine Beziehungen zu den alten süddeutschen Freun- 
6skreisen, besonders zu Rotteck (an Cotta ebd.). 
Yon geringen Ausnahmen abgesehen etwa wo er von den ehrer 
vollen Aufgaben spricht, die von der kurhessischen Verfassung zu 
lösen wären, wenn sie dafür eintritt, dass innerhalb des einen A 
Deutschland es keine Tremden Länder mehr geben 8011 (R.d,remd.34), 
Sind es nicht nationale Fragen, die sein Schrifttum erfüllen,son- 
dern dem Zuge liberaler BewSBung Kotteckscher Art entsprechend. . 
die Probleme des s$eatlichen und öffentlichen Lebens in ihrer .... 
staakßsrechtlich philosophischen und politischen Natur. Das Recht. 
der Nationen auf zeitgemässe Vorfassungen, das Recht des. VIderstan- 
des ünd der Kmpörungen, die unbeschränkte Fürstenschaft, die Volks« 
Souveränität, die Gesctzes-Initiative, das königliche Veto, der 
Zweck des Staates; das sind die hauptsächlichsten Aufgaben,die er 
sich für deine Untersuchungen stellt, Es sind zuzleich die Tragen, 
die alle schon in seinen bisherigen Anschauungen, wie er sie haupt 
gächlich in den Politischen Annalen und der Yuropäischen Zeitung 
vertreten, mehr oder weniger deutlich enthalten waren. Was aber 
dort meist als Forderung ohne weitere Umschreibung aufitritt,wird 
nunmehr eingehender untersucht und in grüssere Zusammenhänge g6=— 
bracht. Dabei ergibt sich als TYrucht der literarischen Stüdien % 
während der politisch toten Jahre vor der Julirevolution und durch 
Sie völlig zum Reifen gebracht die Zentralkraft, von der aus sich 
nun seine ganze politische Anschauungswelt nähre und bereichert; 
es ist das Prinzsipıder Volkssouveränität. Und zwar kommt Murhäard. 
zur Volkssouveränität in einer auffallend enzen Anlehnung an die Ar- 
Gum nt LONON der französischen Nationalversammlung von 1789 deren 
erhandlungen er bis ins Hinzelste studiert hat und in oft über- a 
qrosner Breite in seinen eigenen Ausführungen anzieht, In folgerich- 
igem, an mathematische Methoden erinnerndem und durchaus deduktie 
vem Denken komat er zu jenem charakteristen entschiedenen Libera- 
lismus, von dem in. den nächsten Kapiteln die Rede sein. soll und... 
der deshalb recht eigenülich nicht revolutionär pn werden darf, 
weil ihm der Tatwille völlig abgeht, vielmehr bei der Umbiegung der‘ 
staatsrechtlich philosophischen Forderunzen ins Praktisch-politische 
gleichzeitig einen Kompromiss mit schr voelen der gegebenen Verhält- 
nisse schliesst. Die l£beralen Gedanken mit dem monarchisghen Prin« 
zip in friedlichen Einklang zu bringen, ist sein Ziel, eine breit 
im Volksleben verankerte Regierungsforn zu sSchaffen,wo der Zinzelne 
ebenso seine Menschenrechte wie die. freieste Entfaltung ku Rahmen 
der Gemeinschaft zewährleistet findet. Das ist ihn der Geist einer 
wahrhaft. repräsentativen Ver PaSAung: Anerkennung der !indigkeit des 
Volkes, seine Teilnahme an allen öffentlichen Dingen, Achtung vor. 
der sus der Mündigkeit fliessenden Selbstsetändigkeit und Würde, S0= 
dann die nötige Befreundung von‘ Regierung und Volk in sogonb0ltiger 
Achtung ung Vertrauen, zusemmenwirkend zum Gemeinwohl un Fernhallen 
nf  beotutdeme und jedes KHerrschertons und aller @esetz- und 
chtersetzenden, Gewaltdiktate. (Init.383). Se 
Tür die Ver irklichung dieser SOrASTUNG ist die Se DEUSEr. 
sche Julirevolution das Zeichen und Symbol, mit der eine neu® Zeit 
heraufgeführt wird,wo/der Bürgerkönig frei von mystischem A 
auft mitten unter. LE enden Vaberlangebürgern A VO 98. 
ist, das jetzt d1i8 Kronen austeilt (Vol SO HM  Sugh Weiten 
ständlich in Solcher Auffassung, wenn er von Frank re40B Sul 07 t9P- 
hin für die liberale Sache alles erhofft, wo Oesterreich N yeralen 
sonders Preussen weit, entCernt vn A ET ST ohSant DD 
Politik alles tun, waßsder Russe will (R.d.8.403). So erscheint
	        

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