Full text: Friedrich Wilhelm August Murhard

Sıkennbar, wie die Wegn der Solizei im einzelnen 215 Suf Mhrhard 
führten, Murhard hat direkt keine Beziehungen zu der Verschwörung 
ODER DOT OSONLG bleibt es allerdingse,daß er gegen IMnde 1823 
en vielfach verfolgten Ferdinand Joh. Wit de Dörring unter dem 
Namen Müller bei sich aufnahm und ihm zur beabsichtigten Fiucht 
nach Amerika behilflich war, Wi% de Dürring war ein Jenenser. 
Burschenschafter und gleich seinem Jugendgefährten Karl Sand ein 
besonders e1friger Anhänger Karl Follens, Er. hatte in den oberita- 
lienischen Revolutionswirren eine Rolle gespielt, war aus dem 
Kerker der ü“esterreicher A geb7OChED und brachte sicher Pläne @ 
der Schweizer Geheimbünde mit, die dann später Metternich  yergetl$ 
suchte, Empfohlen hatte ihn an Murhard der Graf Benzel-Sternau. 
Ein kurhessischer Spitzel namens Kelch wußte sich mun geschickt 
als Amerikaner aufzuspielen und fand Einle® in den Murharäschen 
Kreis, In Cassel glaubte man einen Hauptstreich führen zu können, 
Marhard war schließlich von dem Frankfurter Bürgermeiste 
Thomas persönlich gewarnt und beschloß Frankfurt zu verlassen. 
Die Casseler Polizei hatte das vorausgesehen und bei den nachbar«s 
lichen Behörden Schritte getan, dodaß Murhard überall,sogar in 
Mannheim abgewiesen wurde, In frankfurt wurde die Atmosphäre immer 
lastender, Ohne daß es sich Murhard eingestehen wollte; aber der 
gerissene Wit de Dürring ahnte nichts Gutes und entwich bei Nebel 
und Nacht, Da traf Murhard gegen Ende des Jahres 1823 die Auswei= 
sung &us Frankfurt und nun lud ihn der Graf Benzel-Sternau auf 
sein Landgut bei Hanau ein, Und als Murhard mit ein paer Preunden 
auf der Reise dorthin eine kurze Strecke durch kurhessisches 
Gebiet in Hanau fuhr, wurde er wie ein 0 °Eo12gerar von kurhessi- 
schen Genä@grmen überfallen und verMWaftet und in brutalster Form 
in das bitterkalte Arresthaus gesteckt, «es war der 18,Jan,1824 = 
und nach Cassel ins Staatsgefängnis, das=Oastell an der Fulda- 
brücke überführt. ı 
a Nur der Geistesgegenwart seines Bruders, der sofort den 
Schutz der Prankfurter Behörden anrief, gelang es, Murhards Pa= 
piere vor der Beschlasnahme durch schon bereitstehende kurhessie« 
sche Folizgeisgenten zu retten; Karl Murhard zOg bald darauf inkoge 
nito nach Wetzlar, da man in Cassel auch nach ihm fahndete, 
| Über 8 Monate saß Friedrich Murhard in strengster Haft, 
Ohne daß ein ausreichender Grund einer Verurteilung gefunden wures 
de. Schliesslich gelanz es ihm unter Stellung einer sehr hohen 
Kaution auf freien Fuss zu kommen,außerdem durfte er die Residenz 
nicht verlassen und mußte „sich aller Schriftstellerei durch 
Herausgabe von Büchern, Journalen, Zeitungen, sowie durch Einsen- 
Hung SANZELDST Artikel in die öffentlichen Blätter gene11 ent=- 
halten" (Gerichtsakten). Erst im Frühjahr 1827 erfolgte das end= 
EuLtie9 Urteil; es wußte Vurhard sußer der Herbergung des Wit de 
örring nur seine liberalen Umtriebe und Verbindungen und beson- 
ders die Herausgabe der „Annallen",.in welchen die Rücksichten, 
welcher yeder öffentlich® Schriftsteller den bestehenden Staats- 
rezierungen schuldig ist, außer Augen gesetzt worden sind" (Ge= 
richtsakten), nichts strafrechtlich zu Ahndendes unterzuschieben, 
und endigte mit dem Satze, daß „der Polizeidirektor der Residenz 
geine besondere Aufmerksemkeit auf den Hofrat Murhard und dessen 
Bruder zu richten habe"(ebd.) a 
Das war an einem Beispiel gezeigt der Gang,wie die RLe- 
aktion in Deutschland, wie der Geist eines Metternich und Gentz, 
praktisch am Wörke, und wie seit der Mitte der 20er Jahre, wo 
auch die Oeffentlichkeit und die Veröffentlichung der deutschen 
ständischen Versammlungen aufzuhören begannen, jedes politische 
Leben in Deutschland erdrosselt wurde, Nur in stiller Lektüre 
komnte sich der politisch Interessierte noch auslassen; von den 
eigenartigen Po16 wird später zu Sprechen sein. _ 
Die „Allgemeinen politischen Annalan" sind mit dem letz- 
ten von Murhards Hand besorgtem Bande (Ba.12) S1NgOESNgEN- Viel 
späterg Fortsetzungen haben keine Beziehungen zu ihm, ee 
 ı An Cotta schrigb er: „das in seiner Art einzig tragische 
Schicksal, das mich Ohne. das mindeste Verschulden getroffen, hat 
wenigstens das Gute gehabt, daß es viel dazu beigetragen, es 
die ausschweifenden !ißbräuche einer in Deutschland fast unerhüT-, 
ten Polizeigewalt.... in ihrer furchtbaren Nacktheit zu‘ enthüllen 
(8.10.1024) ‚und in ger Aufzeiphnung Jjaser SChicksplp, vgsgl0ioh
	        

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