Full text: Friedrich Wilhelm August Murhard

er5ten Strämmgen einer neuen Zeit ein, von denen in der Zinlei- 
tung oben die Rede war, Cassel, das seine unentwegte Anhänglichkei 
an den Preussenkönig im siebenjährigen Kriege mit viermaliger Be- 
Ser zung und allen Schrecken und Nöten der Belagerung und der 
Kriegslasten den Traßgosen hatte büssen missen, vermochte sich 
unter der planvollen Wirtschafts- und Pi 
"siedrichs derart schnell zu erholen, dass der ab a 
der 1764 an Kaufleuten und Fabrikanten zur 49 Firmen zählte, im N 
Jahre 1784 deren 89 und 9 Fabrikanten besonders aufweisen könnte. 
(Brunner; A4as0, 220)  „inriohtung von Messen, Schleifung der 
vestungswerke, Ausbau der Stadt v grossartiden Plätzen und 
Gebäuden, Errichtung von Brandversi SmngskaGSeH, eines Findel- 
hauses und der Charit6, Stiftung einer Maler-» und Bildhauerakade- 
mie, der Gesellschaft für Altertumsforschung und anderer wissen- 
Sschaftlicher Sogietäten, mit denen Hand in Hand der vielgereiste 
Fürst auf Hebung und Pflege der Wissenschaften und Künste nicht 
am wenigsten durch Bereicherung der luseen und Sammlungen AuSSiNE, 
liessen die Stadt bald zu einem Platze werden, an dem von wei 
und breit die Gesellschaft der Weltmweisenden zusammenst#Umte, un- 
ter denen die Begeisterung und das Entzücktsein n10ht EOTADENT 
waren wie — um nur einen zu nemnen — bei Goethe, der die Stadt 
zu verschiedenen Malen besucht hat, Was Cassel sein besonderes 
Gepräge gab, war die Pflege der Wissenschaften, die sich der 
hierin deutsch beratene Fürst angelegen sein 1less bei aller s@h- 
stiger Vorliebe für französisches Wesen, das übrigen in einer 
Stadt, die seit jeher die Zufluchtsstätte französischer Refugi6e 
gewesen, nicht sonderlich befremädete, Es war das EntgogenEOanon 
an die pädagogisch gerichteten neuen Tendenzen, das den Fürsten 
dewog, das alte Carolinum zu reformieren und zu einer Ritteraka- 
demie auszubauen, Männer wie der Kameralist Chr.Wilh.Dohm, der 
a3pätere preussische Minister, Joh,v,Müller, der Naturforscher 
Georg Forster, dem Goethes Besuche galten, der spätere Göttinger 
Staatsrechtler Runde, der Philosoph und 110108 Dietr, Tiedemann, 
der später so berühmte Anatom Sümmering, der Mathematiker avBEQ: 
und der Militärwissenschaftler Jaques Mäuvillon, dessen vernunft 
rechtlicher Radikalismus sich bedeutsam gegen ale Kirche wie ge= 
gon die alte Staatsomnipotenz sich erging, = sie erhielten in 
Jer Residenz des Türsten ihr Arbeitsfeld, wie von den Künstlern 
üie Nahl, Heyd, Tischbein, Kobold, und der grosse Du Ry. Wichti=- 
Bor noch als dieses imnerhin doch etwas hypertrophische Zusammen- 
assen gelehrter Kapazitäten war die Reorganisation der städti«- 
schen Lateinschule, die 1779 zu einem Lyzeum erhoben wurde, In 
den Stiftungsurkunden und den Lehrvorschriften, die anfangs unter 
der unmittelbaren ZBinwirkung des Fürsten gestanden heben, wurden 
den praktisch gerichteten N&ueTungen. die Taoale einer Kultur des 
Herzens und des Charakters zu Zielen gesetzt, Aller Intellektua=- 
lismıas, Mhetorik, Poetik, Mythologie, wurde verworfen, und ein 
frisches historisches F"ingehen suf den Stoff verlangt, die gl, 
des Griechischen betont, und anstelle längst veralteter Lehrbücher 
neuere eingeführt, so neben dem Robinsona und dem TO100R050 
Gessner, Büsching und vor allem Ernestis „Justitia doctrfse 
80lidioris" (Weber; a.a,.0,. 291 ff.). 
‚Als Friedrich W.A,Murhard in diesen Schulbetrieb ein- 
trat, durch den gleich ihm und seinem Bruder Carl ein Friedrich 
v.N06 und die Brüder Grimm hindurchgingen, war zwar mit dem Thron- 
wechsel im Jahre 1785 eine starke Veränderung in den liberalisie- 
renden Anachauungen eingetreten, die bisher vom Hofe ausgingen, _ 
aber die neuen Wirkungen reaktionärer Art betrafen vorläufig nöch 
nicht das Bildungswesen, das im gogentd11 durch den Ausbau der 
Volksschulen eine Milderung der ar storratischen VeXong9rung 3N- 
gustreben suchte, die in der MOD OP 0115107006 997 Gymnasien für 
ale Gemeinbildung lazen.]Das Carolimum ging seiner Auflösung ent- 
sogen, und seine Professoren wurden nach Marburg versetzt oder 
anden im Ausland neue Wirkungsstätten. Am Lyzeum suchte men uum 
die Traditionen festguhalten. Der Rektor der Anstalt war Karl Imd- 
Wwig Richter aus Halle, ein Schüler Gellerts und Ernestis, Er war 
ein klassischer Lateiner und ein hervorragender Pädagoge, der 
seine Schüler fur alles Hohe und Schöne empfänzlich zu machen die
	        

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