Full text: Zur Erinnerung an die Feiern am 14. und 15. August 1910 aus Anlaß der Vollendung der Lokomotive Fabriknummer 10 000 und des hundertjährigen Bestehens der Firma Henschel & Sohn, Cassel

1890 das Lokomotivdezernat übernahm, wurde es besser. 
Helle Freude war damals, als in diesem Jahre 450 Loko- 
motiven beschafft wurden. Die Zahl stieg sodann auf 600, 
800, 1000, 1400, sogar auf 1600. Dann trat eine kleine 
Abschwächung ein. Die heutigen Lokomotiven sind aber 
dafür auch wesentlich schwerer und teuerer. Der Aufschwung 
im Lokomotivbau war dem allgemeinen Verkehrsaufschwung 
zu danken. Um zu zeigen, welche Anschauungen früher 
bestanden, erinnere ich an die Worte König Ernst August's 
von Hannover, als man bei ihm die Genehmigung zum Bau 
der ersten Eisenbahn nachsuchte. Sie lauteten: „Ich will 
keine Eisenbahnen in meinem Lande, ich will nicht, daß jeder 
Schuster und Schneider so rasch reisen kann, wie ich." Be- 
trachtet man demgegenüber die heutigen Verhältnisse, so 
möchte ich darauf hinweisen, daß die preußisch-hessische 8taats- 
eisenbahnverwaltung gegenwärtig über 20000 Lokomotiven 
verfügt, gegenüber einem Bestande von 10000 im Jahre 1890. 
Die Stückzahl hat sich somit in den letzten 20 Jahren verdoppelt. 
Dabei ist zu berücksichtigen, daß die neuen Lokomotiven eine 
wesentlich höhere Leistungsfähigkeit haben. Bei ihnen sind 
sämtliche Errungenschaften der Neuzeit u. a. auch die von 
Cassel ausgegangene Anwendung überhitzten Dampfes nutzbar 
gemacht, so daß die Leistungen in Pferdestärken wohl mindestens 
den dreifachen Wert wie im Jahre 1890 haben. Ich schätze 
sie auf etwa 15 Millionen Pferdestärken. Aus diesen an- 
geführten Zahlen ersieht man, wie recht der Kronprinz von 
Preußen, der spätere König Friedrich Wilhelm IV., vor 
72 Jahren bei der Einweihungsfahrt der Bahnlinie Berlin- 
Potsdam hatte, als er, an der Lokomotive stehend, die 
denkwürdigen Worte sprach: „Diesen Karren, der durch die 
Welt rollt, hält kein Menschenarm mehr auf." In der 
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